Fundstück: Der Tod König Ludwigs II.
Eine Nachricht aus der Wochenzeitschrift ›Der Pfälzer im Amerika‹ vom 19. Juni 1886
An wen denken Sie zuerst, wenn Sie nach einem bekannten bayerischen König gefragt werden? Auch wenn in der Pfalz Monarchen wie Maximilian I. Joseph (1756–1825) oder Ludwig I. (1786–1868) deutlich mehr, auch heute noch sichtbare Spuren hinterlassen haben, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an den ›Märchenkönig‹ Ludwig II. (1845–1886) gedacht haben. Sind es seine Gebäude, die in Bayern heute noch regelrechte Touristenmagnete sind, sodass beispielsweise das ikonische Schloss Neuschwanstein regelmäßig zu den meistbesuchten Attraktionen Deutschlands gehört? Sind es seine exaltierten Interessen, denen sich alles unterordnen musste, die ihn für Zeitgenossen und die danach kommenden so schillernd und faszinierend werden lässt? Ist es, kurz nach seiner Entmündigung, sein tragisches Ende, das bis heute betroffen macht, aber sich auch perfekt für das Entstehen von Verschwörungsmythen eignet? Vermutlich sind es all diese Aspekte, die das Leben Ludwigs II. und dessen Regentschaft auszeichnen und ihm einen besonderen Platz in der gesamtdeutschen Erinnerungskultur gesichert haben.
Als bayerischer König war Ludwig II. auch das Staatsoberhaupt der Menschen der damaligen Pfalz. Vermutlich auch aufgrund der bayerischen Erinnerungspolitik, der die Pfalz als kleinen, aber bedeutenden ehemaligen Landesteil allzu oft ausblendet, ist ›Ludwig II.‹ in der Erinnerung vieler ein ausschließlich mit blauweißen Rauten geschmücktes Phänomen. Doch auch die Menschen im Bezirk Pfalz und darüber hinaus auch die ausgewanderten Pfälzerinnen und Pfälzer waren – so jedenfalls der Eindruck – geschockt oder überrascht von dem Schicksal, das ›ihr‹ König ereilt hatte – oder doch wenigstens fasziniert von dem letzten Drama, die er ihnen damit bot.
Lesen Sie in unserem Fundstück den Nachruf auf Ludwig II., wie er von den Verlegern der Wochenzeitschrift ›Der Pfälzer in Amerika‹ für die in Amerika lebenden Pfälzerinnen und Pfälzer abgedruckt wurde. Er liefert trotz seiner Kürze nicht nur einen faszinierenden Einblick in das gemischte nationale Selbstverständnis der Auswanderinnen und Auswanderer als Pfälzer, Bayern, Deutsche und Amerikaner. Auch zeigt er, wie früh das heutige Bild eines besonderen und durch seine Art geradezu mystischen Herrschers kurz nach seinem Tod bestand und seine Erinnerung bis heute prägt. Wenn Sie nicht nur an diesem Ausschnitt, sondern an der gesamten Ausgabe interessiert sind, finden Sie diese hier. Durchsuchen Sie zudem unsere Digitale Sammlung für weitere Jahrgänge des ›Pfälzers in Amerika‹!
Maximilian Lässig