Thomas Nast

Vor 100 Jahren: Vater der amerikanischen Karikatur stirbt in Ecuador

Karikaturist Thomas Nast

Am 7. Dezember 2002 jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Thomas Nast. Er zählt zu den bedeutendsten Auswanderern aus der Pfalz. Als Karikaturist, als „Begründer der amerikanischen Karikatur“, übte er jahrelang großen Einfluss auf die amerikanische Politik aus, ja er beeinflusste sogar den Ausgang mehrerer Präsidentenwahlen.

1840 als Sohn des Regimentsmusikers Joseph Thomas Nast und der aus Mörlheim beziehungsweise Offenbach an der Queich stammenden Apollonia Abriß in der „Roten Kaserne“ in Landau geboren, wanderte er als Sechsjähriger mit Mutter und Schwester in die USA aus. Der Vater kam ein Jahr später nach. Über Thomas Nasts ersten Jahre in Amerika weiß man wenig. Die Eltern erkannten jedenfalls früh das künstlerische Talent des Sohnes und schickten ihn zu dem Maler Theodor Kaufmann, einen aus Uelzen stammenden, in die USA geflüchteten „Achtundvierziger“ zum Zeichenunterricht. Kaufmann war mit einer Pfälzerin, der Kirchheimbolander Freischärlerin Mathilde Hitzfeld verheiratet.

Schon als 15-Jähriger erhielt Nast eine Anstellung als Pressezeichner bei der Wochenzeitung „Leslie’s Illustrated Weekly Newspaper“. In dieser Zeit starb sein Vater, so dass der Sohn mit seinem Verdienst zum Lebensunterhalt der Familie beitragen musste. 1860 wurde ihm die zeichnerische Berichterstattung über den Aufsehen erregenden Boxkampf zwischen den englischen und amerikanischen Champions in London übertragen. Von dort aus begab sich Nast nach Italien und schloss sich als Zeichner und Kriegskorrespondent den aufständischen Truppen Guiseppe Garibaldis an. „Seine frischen, lebendigen Zeichnungen erregten damals auf beiden Hemisphären berechtigtes Aufsehen“, schrieb die in New York erschienene Wochenzeitung „Pfälzer in Amerika“ später.

Kurze Zeit nach seiner Rückkehr nach New York und seiner Heirat wurde ihm eine feste Stelle bei der angesehenen, auflagenstarken Zeitschrift „Harper’s Weekly“ angeboten. Dort erreichte er dann in den folgenden Jahren seinen beruflichen Zenit. Im amerikanischen Bürgerkrieg engagierte er sich mit seinen Illustrationen für die Sache der Union. Abraham Lincoln bezeichnete ihn als den „besten Werbeträger der Union“. Er wurde zu einem konsequenten Verfechter der Rechte der schwarzen Sklaven, der Indianer und der ethnischen Minderheiten in den USA. Nast schuf damals auch die Symbolfiguren der beiden amerikanischen Parteien, den Esel für die Demokraten und den Elefanten für die Republikaner, die heute noch in den Wahlkämpfen zu finden sind. Schon während des Bürgerkrieges zeichnete er zur Weihnachtszeit – wohl in Anlehnung an die „Belzenickel“-Figur seiner pfälzischen Heimat – seine erste „Santa Claus“-Darstellung (siehe Abbildung).

 

Nach dem Bürgerkrieg hatte sich der 25-Jährige bereits einen Namen als politischer Zeichner gemacht. Doch auf seinen Lorbeeren wollte er sich nicht ausruhen. „Die Grundprinzipien seines Denkens und seiner Arbeit, der Kampf mit dem Zeichenstift gegen Unterdrückung und für die Freiheit ließen ihn nicht ruhen“, schrieb der Landauer Stadtarchivar Michael Martin jetzt in seinem Beitrag für „Die Zeit“. In seinen Karikaturen kämpfte Nast in den folgenden Jahren unter anderem erfolgreich gegen den korrupten New Yorker Politiker William Marcy Tweed und seine Bande. Auch seinen eigenen Landsmann Carl Schurz (siehe Abbildung) schonte Thomas Nast nicht, wenn er der Meinung war, dass dieser politisch nicht korrekt gehandelt hat.

Mit Beginn der 1880er Jahre reduzierte Nast seine Arbeit für „Harper’s Weekly“, was zum Teil mit der veränderten politischen Situation in den USA, zum Teil mit der neuen Reproduktionstechnik bei Harper zusammenhing. 1886 gab Nast seine Tätigkeit für den Verlag auf. Sein Versuch, für andere Zeitungen zu arbeiten, scheiterte. 1893 gründete er ein eigenes Blatt, dem allerdings kein Erfolg beschieden war. Von dem finanziellen Verlust hat er sich nie wieder erholt. Präsident Theodore Roosevelt wollte ihm helfen und ernannte ihn 1902 zum Konsul in Ecuador. Nur wenige Monate im Dienst starb er am 7. Dezember 1902 gerade 62-jährig in Guayaquil am gelben Fieber. Der „Pfälzer in Amerika“ schrieb wenige Tage später: „Mit ihm ist ein Mann im besten Sinne des Wortes hinübergegangen, auf den wir Pfälzer stolz zu sein alle Ursache haben.“

Roland Paul