Richard von Cornwall und die Pfalz

Kostbares Kleinod: Das Reichsschwert vom Trifels bei Annweiler (Nachbildung).

Richard von Cornwall, Neffe von Richard Löwenherz und Bruder des englischen Königs Heinrich III. war ein König des Interregnums, der „schrecklichen, kaiserlosen Zeit“, wie Schiller sie bezeichnete. Richard herrschte vierzehn Jahre über das Heilige Römische Reich und ist in der Geschichte der einzige Engländer, der jemals auf dem römisch-deutschen Thron saß. Zur Pfalz hatte er einen ganz besonderen Bezug: In Kaiserslautern schloss er seine dritte Ehe.

Richard von Cornwall wurde am 5. Januar 1209 in Winchester als zweiter Sohn des englischen Königs Johann Ohneland und dessen Frau Isabella von Angoulème  geboren. Im Jahre 1225  zum Ritter geschlagen, erhielt er die Grafschaften Cornwall und Poitou. Zu seinem älteren Bruder, Heinrich III., unterhielt Richard zeit seines Lebens eine ganz besondere Beziehung. Er agierte als sein Berater und verhandelte so beispielsweise für ihn mit den aufständischen englischen Baronen. Sein besonderes Talent galt der Diplomatie. So handelte er mehrere Waffenstillstände in den immer wieder aufkommenden Kriegen mit Frankreich aus. Während seines Kreuzzugs ins Heilige Land konnte er 1241 ohne einen Schwertstreich große politische Erfolge erzielen und kehrte nach nur wenigen Monaten zurück. Nach dem Tod des jungen Interregnum-Königs Wilhelm von Holland wählten im Jahre 1257 vier Fürsten, die Erzbischöfe von Köln und Mainz, Ludwig, Pfalzgraf bei Rhein sowie Ottokar von Böhmen, Richard zum römisch-deutschen König. Zuvor war Alfons X. von Kastilien mit der gleichen Stimmanzahl ebenfalls zum König gewählt worden. Es gab nun also zwei Herrscher im Reich. Im Gegensatz zu Alfons gelang es Richard jedoch, sich als König durchzusetzen. Auf seinen vier Reisen ins Reich ließ er sich in Aachen krönen und festigte somit seine Herrschaft.

Richard hatte einen ganz besonderen Bezug zur Pfalz, da einige seiner wichtigsten Ministerialen dort beheimatet waren. Viele bedeutsame Städte und Reichsburgen wie Worms, Speyer, Hagenau und Weißenburg lagen in oder in der Nähe dieser Region. Schließlich schloss er seine dritte Ehe in Kaiserslautern. Die Reichsministerialen von Bolanden waren ein reiches nordpfälzisches Adelsgeschlecht, das sich im 12. und 13. Jahrhundert in die Linien Bolanden, Hohenfels und Falkenstein geteilt hatte. Sie gehörten schon zur Stauferzeit und unter Wilhelm von Holland zu den wichtigsten Stützen des Reiches. Unter Richard von Cornwall gelang es ihnen, ihre Stellung auszubauen und zu festigen. So gehörte Philipp I. von Hohenfels zur Delegation des Pfalzgrafen Ludwig II., die 1256 über eine Wahl Richards verhandelte. Sein Cousin, Philipp I. von Falkenstein, verwahrte schon unter Konrad IV. die Reichskleinodien auf dem Trifels und übergab diese 1257 Richard bei seiner Krönung in Aachen. Werner IV. von Bolanden, ebenso wie sein Bruder Philipp von Falkenstein, die über viele Jahre in zahlreichen Urkunden Richards immer wieder als Zeugen genannt werden, übten unterschiedliche Tätigkeiten am Hofe aus. Richard belehnte Philipp von Falkenstein und dessen Erben mit dem hohen Amt des Reichskämmerers, Werner IV. von Bolanden ernannte er zum Truchsess. Auch 1262 hielten sich Philipp von Hohenfels, genauso wie Reichskämmerer Philipp von Falkenstein und Heinrich von Bolanden, Archidiakon von Trier, nicht nur am Hof des Königs auf, sondern begleiteten ihn auf seinen Reisen durch das Reich. An Richards erstem und einzigem Reichstag in Worms 1269 nahm die ganze Familie teil: Philipp von Hohenfels und Philipp von Falkenstein mit ihren Söhnen sowie die Brüder Werner und Philipp von Bolanden. Zu den weiteren Besuchern des Reichstags gehörten unter anderem die Erzbischöfe von Trier und Mainz, die Bischöfe von Speyer und Chur, Pfalzgraf Ludwig II. sowie die Grafen von Leiningen.

Richard von Cornwall war insgesamt drei Mal verheiratet. Seine erste Frau war Isabelle, die Tochter des Grafen von Pembroke. Nach ihrem Tod ging er seine zweite Ehe 1243 mit Sanchia, der Tochter Raimund Berengars von der Provence ein. Während seines vierten Deutschlandaufenthaltes heiratete Richard von Cornwall am 16. Juni 1269 die niederrheinische Grafentochter Beatrix von Falkenburg. Zum Zeitpunkt der Vermählung war Beatrix 16 Jahre alt und somit 44 Jahre jünger als ihr Bräutigam. Ihr Vater, Dietrich II., Herr von Falkenburg, trat bereits 1257 und 1262 als Zeuge am Hofe Richards auf. Die Familie verfügte über verwandtschaftliche Beziehungen in die Pfalz: Sie waren mit den Bolandern verschwägert. Darüber hinaus war Dietrichs Bruder der neue Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg. Durch die Heirat mit Engelberts Nichte konnte sich Richard mit dem Erzbischof und dem mächtigen niederrheinischen Hochadel verschwägern, was die politische Motivation für die Eheschließung gewesen sein dürfte. Da Richard im Frühjahr 1269 seinen Reichstag in Worms abhielt, lag die Kaiserpfalz Kaiserslautern als Ort der Vermählung nahe. Die Trauung fand vermutlich in der noch nicht fertig gestellten Stiftskirche statt. An den Feierlichkeiten nahmen neben dem Pfalzgrafen Ludwig II., den Bischöfen von Speyer und Bamberg und ihren Brüdern aus dem Haus Leiningen viele weitere fränkische und pfälzische Adelige teil.

Thomas von Wykes, englischer Chronist und Gast auf der Hochzeit, berichtete: „Nachdem der König diese und andere Geschäfte seiner Herrschaft nach Wunsch geordnet hatte, gedachte er des Apostelworts: – Es ist besser zu heiraten als sich zu verzehren -, und erstrebte eine seiner königlichen Majestät angemessene Verbindung. Er wählte wohlbedacht eine edle Jungfrau, die Tochter Dietrich von Falkenburgs, um die Neigung seiner Reichsuntertanen zu gewinnen, und verband sich mit ihr, nicht durch die Gier nach Mitgift verleitet, sondern von ihrer unvergleichlichen Schönheit gefangen. Die feierliche Hochzeit fand am 16. Juni in Gegenwart vieler deutscher Fürsten in seinem kaiserlichen Palast in Lautern statt, der keinen Vergleich mit Palästen anderer Königreiche zu scheuen braucht. Sofort berührte die angeborene Schönheit der neuen Gattin das Innerste des königlichen Herzens derart, dass er sie nicht eine einzige Nacht unter irgendeinem Vorwand von seiner Seite weichen ließ.“

Kurz nach der Hochzeit kehrte das Paar nach England zurück, wo Richard 1272 verstarb. Er wurde im Kloster Hailes beigesetzt. Sein Herz erhielt die Franziskanerkirche zu Oxford. Beatrix blieb bis zu ihrem Tod 1277 in England und wurde ebenfalls in Oxford beigesetzt.

Sarah Brötz, Barbara Sprengart