Pirminius

Vor 1.250 Jahren: Der pfälzische Glaubensbote Pirmin stirbt in Hornbach

Der pfälzische Glaubensbote Pirminius

Pirmin ist als „Apostel der Alemannen“ in die Geschichte eingegangen. Sein Wirkungsbereich erstreckte sich zunächst im Wesentlichen auf das heutige Elsass und Baden. Seine zahlreichen Klostergründungen dienten der Vertiefung des christlichen Lebens, für das in der am Oberrhein bereits bestehenden Bistumsorganisation ein äußerer Rahmen gegeben war. Die enge Verbindung mit der fränkischen Reichsgewalt zeigt, dass Pirmins Tätigkeit im Zusammenhang mit der fränkischen Politik der Eingliederung Alemanniens steht. 724 gründete er das Kloster Mittelzell auf der Insel Reichenau, danach mehrere Klöster zwischen Schwarzwald und Vogesen, zuletzt 742 die bedeutende Abtei Hornbach in der Pfalz. Seinen Klöstern gab er die Benediktinerregel und suchte sie – in Zusammenwirken mit den fränkischen Adelskreisen – möglichst selbständig gegenüber dem Diözesanbischof zu halten.

Wenn Pirmin aber auch als eine große Gestalt der pfälzischen Frühzeit bezeichnet wird, so hat dies seine Berechtigung. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass – sieht man einmal von Philipp von Zell ab – Pirmin die einzig historisch greifbare Gestalt der kirchlichen Frühzeit in der heutigen Pfalz ist.

Wer war Pirmin?

Betrachtet man die älteste Lebensbeschreibung, die ein anonymer Autor um 830 wohl in Hornbach verfasste, so berichtet sie nichts über Geburt, Kindheit, Ausbildung und Werdegang Pirmins. Sie stellt uns Pirmin als Bischof vor, der zur Zeit des Frankenkönigs Theuderich IV. lebte.

Die Klostergründung Hornbach geschah im Einvernehmen mit dem Bischof von Metz. Gestiftet wurde das Kloster 742 vom Grafen Warnharius aus der Familie der Widonen-Lambertiner auf seinen vermutlich auf Königsgut zurückgehenden Gütern im Bliesgau. In Hornbach ist Pirmin gestorben – als Sterbedatum darf der 3. November 753 angenommen werden – und begraben worden. Hier ruhten seine Gebeine bis zur Reformationszeit; 1575 kamen sie über Speyer (1558) nach Innsbruck. Das leere Pirminsgrab in Hornbach wurde bei Ausgrabungen 1953 und 1955 auf dem ehemaligen Abteigelände freigelegt. Das Interesse für den pfälzischen Glaubensboten, ist durch die 1200-Jahr-Feier 1953 und durch die Entdeckung des Grabes neu geweckt worden. Die Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche), in deren Besitz sich heute der ehemalige Klosterbezirk befindet, ließ über dem Grab eine Gedenkstätte errichten. Pirmin gilt als Patron von Innsbruck, des Elsass und der Pfalz. Als Verkünder des Evangeliums ist Pirmin allen christlichen Bekenntnissen in gleicher Weise verehrungswürdig.

Der Name Pirmins ist in verschiedenen Formen überliefert.

Als ursprüngliche Namensform hat die Forschung „Primenius“ und „Priminius“ festgestellt, aus denen sich die Namensformen „Perminus“ und dann vor allem „Pirminius“ gebildet haben. Pirmins Name lässt sich nicht aus germanischen, irischen oder angelsächsischen Namen ableiten; er stammt aus dem Romanischen und weist zunächst hin auf ein romanisches Land.

Eine umstrittene, letztlich ungeklärte Frage ist diejenige nach der Herkunft Pirmins. Der bislang herrschenden These, Pirmin stamme aus dem Westgotenreich oder aus dem westgotischen Südfrankreich, wurde mit dem Argument widersprochen, dass alle Kriterien, die sich aus Pirmins Anschauungen und Klostergründungen ergeben, nicht auf eine Verwurzelung in westgotisch- aquitanischer Tradition hinweisen, sondern vielmehr auf das irofränkische Mönchtum.

Schon bald nach dem Tod Pirmins (753) setzte seine Verehrung ein. So wird er bereits am Ende des 8. Jahrhunderts in einer Metzer Handschrift als „Sanctus“ bezeichnet. In einem Reichenauer Brevier vom Anfang des 9. Jahrhunderts ist bereits das Fest des heiligen Bischofs Pirmin zu finden. Die Verehrung Pirmins kommt gleichzeitig zum Ausdruck in der „Visio Wettini“ des Reichenauer Abtes Walahfried Strabo (der Schielende) zum Ausdruck: „Wer sein heiliges Leben kennenzulernen den Wunsch hat, strebe zu Pirmins Grab, in Hornbach erbringt den Beweis er“.

Zum himmlischen Fürsprecher macht ihn Rabanus Maurus, Abt und Lehrer in Fulda, der spätere Erzbischof von Mainz (gestorben 856), der ihm folgende Grabinschrift widmete:
Pirminius, Bischof und Christi Bekenner zugleich wohnt in diesem Haus und heiligt diesen Ort. Die Freuden dieser Welt hat er um Christi willen verschmäht und sich die Armut erwählt. Die Heimat, das Volk und die Sippe hat er verlassen, fahrend in fremdes Land hat er den Himmel verdient. Hier hat er das Volk der Franken mit der Lehre des Glaubens gesucht, vier heilige Stätten Gott gegründet. Hier nun ruht er mit den Gliedern des Leibes, doch die Seele wohnt droben im seligen Reich. Allen hilft er, die würdig den Himmel erstreben, getreu behütet er selbst seine Diener.

Der Pirminskult

Im Jahr 826 wird Hornbach das Kloster „des heiligen Pirminius“ genannt. Der Gründer wird zum Patron. Der Pirminskult verbreitet sich vom Grab zu Hornbach in seinem ehemaligen Wirkungsbereich; er dehnt sich aber bis zu den Bayern und Franken aus und ist auch in Tirol sowie in den Ardennen nachweisbar. Gebetserhörungen und Heilungen am Pirminsgrab lassen eine Wallfahrt entstehen, wovon um 1012 der „Liber de miraculis sancti Pirminii“ berichtet. Im späten Mittelalter wird von der Abgabe kleiner Pirminsreliquien nach der Reichenau und von dort nach Bern berichtet. Im Mittelalter war Pirmin als Kirchenpatron nicht nur in Hornbach heimisch, sondern auch in verschiedenen Hornbacher Eigenkirchen wie Glanmünchweiler, Queichhambach und Godramstein. In der nachreformatorischen Zeit entstanden neue Pirminiuspatrozinien, beispielsweise in Walsheim/Saar (1777). Pirminiuskirchen entstanden seit der Neuumschreibung der Diözese Speyer (1817/21) in Eppenbrunn (1847), Glanmünchweiler (1902), Pirmasens (1900, 1954), Hornbach (1930), St. Ingbert (1952), Godramstein (1960), Zweibrücken-Bubenhausen (1966) und Neumühle (Filiale der Pfarrei Kirchenarnbach, 1971).

Die liturgische Verehrung Pirmins empfing ebenfalls vom Pirminsgrab den entscheidenden Impuls. In Hornbach gedachte man seiner zuerst in Messe und Stundengebet. Als Benediktinerheiliger wurde Pirmin zunächst in Murbach, Reichenau, Niederaltaich, Maursmünster und Gengenbach verehrt, doch wurde schon bald sein Fest in den meisten süddeutschen Bistümern begangen – über den deutschen Sprachraum reichte es jedoch nicht hinaus. Nach der tridentinischen Liturgiereform fand das Fest nur noch in den oberrheinischen Diözesen statt. In der heutigen Liturgie wird Pirmin in den Bistümern Speyer, Strasbourg, Chur sowie im Erzbistum Freiburg verehrt.

Pirmin, der Heilpatron

Die Erinnerung an Pirmin hat sich aber auch in Volksglaube und Brauchtum erhalten. Seine Stellung in der Volksmedizin, in der er als Heilpatron wirkte, ist beachtenswert. In der Volksphantasie wurde Pirmin zum guten Geist und Beschützer, was sich in den Volkssagen um Hornbach, Bierbach und in Luxemburg äußert. Im Tischsegen, wie er heute noch auf der Reichenau und im Pirminsland um Hornbach üblich ist, schützt Pirmin Speise und Trank: „Damit uns Speis und Trank gedeit‘, Sankt Pirmins Hand sie benedei“. Pirmins Name lebt weiter in der Bezeichnung „Pirminiusland“ für den alten Hornbacher Klosterwald; seine Bannsteine wurden Pirminiussteine genannt. Die Stadt Pirmasens leitet ihren Namen von Pirmin her, ebenso gehen die Familiennamen „Pirmann“ und „Pfirrmann“ auf Pirmins Namen zurück.

Die Ergebnisse der neueren Forschung und die spärliche Quellenlage lassen das Bild Pirmins in seinen Konturen verblassen. Er war ein herausragender Vertreter der fränkischen Kirche am Ende der Merowingerzeit und des (gallo)fränkischen Mönchtums. „Seine Wirksamkeit beschränkte sich auf die Region, die er vom Kloster aus zu erfassen suchte. Wenn auch die große Kirchenreform des Bonifatius und seiner fränkischen Nachfolger Pirmins Werk ob der Verbindung mit dem aufstrebenden karolingischen Herrscherhaus und dem Nachfolger Petri bald in den Schatten stellte, in der Westpfalz, im Elsaß und am Bodensee schuf Pirminius Voraussetzungen für einen glänzenden geistig-religiösen und kulturellen Aufbruch. … Und eben darum darf er als einer der Baumeister unserer abendländischen, die nationalen Grenzen überwölbenden Geistigkeit, Kultur und Zivilisation gelten“ (Josef Semmler).

Dr. Hans Ammerich