Oberkirchenrat Dr. Karl Munzinger

Vor 75 Jahren: Der pfälzische Theologe und Japanmissionar stirbt in Heidelberg

Vor 75 Jahren, am 21. Oktober, starb in Heidelberg der pfälzische Theologe und Japanmissionar Oberkirchenrat Dr. Karl Munzinger.

Karl Munzinger wurde am 11. Juli 1864 im westpfälzischen Quirnbach als Sohn des Bierbrauers und späteren Bürgermeisters Adolf Munzinger und Charlotte geb. Leppla geboren. Er und seine acht Geschwister wuchsen im Elternhaus des Vaters in Quirnbach auf. Karl besuchte die Lateinschule in Kusel, von der er 1879 auf das Gymnasium nach Zweibrücken wechselte. Für seine jüngeren Söhne hatte der Vater nämlich einen akademischen Beruf angedacht.

Von der „strengen und starken Religion seines pfälzischen Bauerntums“ geprägt, entschied er sich für die Theologie. Das Studium begann er 1883 zunächst in München, die weiteren Stationen waren Straßburg, Heidelberg und Berlin. Sein erstes theologisches Examen schloss er 1887 in Speyer mit „gut zu sehr gut“ ab. Schließlich folgte die Ordination in der Lutherkirche zu Kaiserslautern am 11. Dezember desselben Jahres, mit der er in den Dienst der Protestantischen Kirche der Pfalz aufgenommen wurde. Seine erste Stelle erhielt er als Pfarrverweser zunächst in Otterberg und später in Bosenbach. Bis zu seiner Beurlaubung durch die Landeskirche am 1. Mai 1889 war Munzinger noch als Stadtvikar in Kusel tätig. Die Beurlaubung beantragte er keineswegs, weil er des Berufs des Pfarrers überdrüssig war, sondern weil er nun seine Bestimmung in der Mission sah. Zwei Jahre zuvor äußerte man seitens des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins (AEPMV), dass sich „…die Aussendung eines dritten Missionars für Japan […] als dringendes Bedürfnis …“ erweist. Dieser dritte Missionar sollte nun Munzinger werden. Zuvor aber galt es noch, Englisch und die Praktiken der Mission zu erlernen. Nach acht Monaten beendete er seine Studienreise in England und trat die Überfahrt nach Japan an.

Nach fünfwöchiger Reise kam der junge Theologe am 28. Februar 1890 im Hafen von Tokyo an und wurde schließlich am 8. März feierlich in sein Amt eingeführt. Die Aufgaben in Japan waren mannigfaltig. In seine Zuständigkeit fielen der Bau von Schulen, Kirchen und anderen Einrichtungen. Sein Schaffensdrang war unermüdlich, denn auch als Lehrer und Schriftsteller war er tätig. Die japanische Sprache erlernte Munzinger in relativ kurzer Zeit in der Abgeschiedenheit der japanischen Berge bei seinem Lehrer, sodass er sich ihrer schon bald in Wort und Schrift bestens zu bedienen wusste. Ohnehin war er den Japanern gegenüber sehr aufgeschlossen und wusste das „heidnische Kulturvolk“ zu schätzen. Entgegen dem deutsch-nationalen Ton jener Zeit, hatte er eine andere, gar fortschrittliche Vorstellung einer japanischen Kirche: „Das [japanische] Christentum muß auf dem Grunde der Religion Buddhas und der Philosophie des Konfucius ruhen. […] Wir wünschen darum ein System der Theologie, welches in seinen Hauptzweigen rein japanisch sein soll, und religiöse Riten und Zeremonien, welche in gleicher Weise japanischen Charakter tragen.“

Geschwächt von einer Krankheit erhoffte er sich in Deutschland Besserung und trat deshalb ab dem Winter 1895/96 einen mehrmonatigen Urlaub in seiner Heimat an. Seine Gesundheit konnte jedoch nicht wie gewünscht wiederhergestellt werden, sodass man ihm von der Rückreise nach Japan abriet.

So wurde er, nach kurzer Tätigkeit als Pfarrverweser in Neunkirchen am Potzberg und bestandener zweiten theologischen Prüfung, am 20. Februar 1896 Pfarrer in Sausenheim. Noch im selben Jahr heiratete er die Pfarrerstochter Emma Elisabeth Katharina Ruf, mit der er vier Kinder hatte. Von 1901 an war er, bis zu Ernennung zum Dekan in Kusel 1911, als Pfarrer  in Zweibrücken tätig. 1920 ernannte man ihn zum Dekan in Landau, ein Jahr später zum Kirchenrat und am 5. Juni 1924 schließlich zum Oberkirchenrat.

Neben seiner theologischen Arbeit kann man Munzinger durchaus ein politisches Interesse zuschreiben. So kam es, dass er 1915 Abgeordneter des Landrathes (heute Bezirkstag) wurde. Stets lag ihm seine Heimat am Herzen, etwa als der britische Generalkonsul von Bayern, Robert H. Clive, die Pfalz besuchte und die französischen Besatzer versuchten, die pfälzische Delegation am Treffen mit ihm zu hindern. Mit Geschick wusste er sich durchzusetzen, um für die pfälzischen Interessen einzutreten und den Amerikanern in perfektem Englisch die damalige Lage in der französischen Besatzungszone zu schildern.

Am 1. Januar 1933 trat er schließlich in den Ruhestand ein. Seine Publikationen über die gesammelten Eindrücke und Erlebnisse in Japan erweiterten auch den deutschen Wissenshorizont, wie beispielsweise „Die Psychologie der japanischen Sprache“ (1893), „Die Japaner“ (1897) und „Japan und die Japaner“ (1905). Neben den Schriften zu Japan verfasste er außerdem die Schauspiele „Die Protestation“ (1899) und „Um Glauben und Gewissen“ (1929).

Pascal Roth