Ludwig Levy

Vor 150 Jahren: Ludwig Levy, ein bedeutender Architekt aus Landau, wird geboren

Ludwig Levy

Vor 150 Jahren wurde einer der bedeutendsten Architekten der Pfalz geboren: Ludwig Levy. Als sechstes Kind kam er am 18. April 1854 als Sohn des aus Herxheim bei Landau stammenden jüdischen Textilhändlers Jonas Levy und dessen aus Edesheim stammender Ehefrau Barbara, geborene Machhol, in Landau zur Welt. Hier verbrachte er auch den größten Teil seiner Kindheit. Er besuchte bis 1863 die Volksschule in Landau, womit, da es zu dieser Zeit nur Konfessionsschulen gab, vermutlich die israelitische Volksschule in der Landauer Gerbergasse gemeint ist. Danach wechselte er 1863 auf das Progymnasium, das er 1868 verließ. Anschließend besuchte er die Realschule zunächst ein Jahr lang als Hospitant, dann als Schüler und verließ diese Schule 1870.

Levy beschreibt in seinem Lebenslauf, dass er vom Vater zum Studium der Medizin bestimmt wurde und daher Privatunterricht in Latein und Griechisch nehmen musste. Wir erfahren weiter, dass er danach, da es damals noch kein vollständiges Gymnasium in Landau gab, die höheren Klassen einer auswärtigen Lehranstalt besuchen sollte. Entgegen den Vorstellungen seines Vaters studierte Ludwig Levy dann ab Herbst 1870 am Polytechnikum in Karlsruhe und absolvierte dort die beiden mathematischen Kurse und den 1. und 2. Ingenieurkurs. Während dieses Studiums sammelte er praktische Erfahrungen in den Ferien bei Bausektionen der Pfälzischen Eisenbahn in Landau. Dort war Heinrich Levy, der ältere Bruder, als Bezirksingenieur tätig. Im Lebenslauf wird uns mitgeteilt: “ Neben dem Studium der Ingenieurwissenschaften hatte ich mich mit Vorliebe mit Architektur beschäftigt, trat um mich in diesem Fache weiterzubilden, im Herbste 1875 in die Bauschule des Politechnicums in Karlsruhe ein, wo ich in den 4. Kurs aufgenommen wurde und am Jahresabschluss 1876 aufgrund einer Jahresconcurrenz für die Skizzen zu einem Landtagsgebäude mit der von seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog, gestifteten Medaille prämiert wurde. Das folgende Wintersemester, während dessen ich Hospitant des Politechnicums war, verbrachte ich mit Ausarbeiten der Skizzen und hörte noch Vorlesungen.“

Nach dem Studium folgte im Herbst 1876 eine erste zweimonatige Tätigkeit bei dem Architekten Rudolf Opfermann in Mainz, der sich hauptsächlich mit dem Restaurieren historischer Bauten beschäftigte. Von April 1877 bis Januar 1881 war Ludwig Levy in dem sehr angesehenen und anerkannten Atelier der Frankfurter Architekten Mylius und Bluntschli tätig. Danach absolvierte er endlich die für Architekten notwendige Italienreise. Er schreibt dazu selbst: „Ich verließ Frankfurt, um zu meiner künstlerischen Vervollkommnung eine Studienreise nach Italien anzutreten, zehn Monate hindurch widmete ich mich dem Studium der Antike und der Renaissance, das herrliche Land in allen seine Theilen durchstreifend.“

Nach seiner Rückkehr trat Ludwig Levy im Jahre 1882 in das Büro von Paul Wallot in Frankfurt ein. Er schreibt dazu: „Nach Deutschland zurückgekehrt, beschäftigte ich mich zuerst mit dem Ordnen meiner Studien und Aufnahmen, und leistete dann einem Rufe des jetzigen Reichstagsarchitekten Paul Wallot, damals in Frankfurt am Main Folge, um an den später preisgekrönten Concurrenzplänen für das deutsche Reichstagsgebäude mitzuarbeiten (Frühjahr 1882).“

Im August desselben Jahres bereits erhielt Levy den Auftrag für den Bau einer Synagoge in Kaiserslautern und zog noch im gleichen Monat nach Kaiserslautern, um dort ein eigenes Büro zu eröffnen. Die Arbeiten an dieser Synagoge beschäftigten Levy bis zum Jahre 1886. Während dieser Zeit entstanden in Kaiserslautern die Villa Ritter, das katholische Vereinshaus und ein weiteres Wohnhaus. Darüber hinaus übernahm er in den Jahren 1884/1885 die Planung für die evangelische Kirche in Olsbrücken.

Weitere zum Teil bedeutende Synagogen sind für das Schaffen Levys belegt: Die jüdischen Gotteshäuser in Straßburg, Rostock, Bingen, Barmen, Baden-Baden, Rastatt, Pforzheim, Luxemburg, Thionville (Diedenhofen), Winnweiler und Entwürfe für Saarbrücken-St.Johann.

Neben dem Kirchenbau in Olsbrücken entstanden im Bereich der protestantischen Landeskirche der Pfalz weitere Kirchen in Siegelbach, Weilerbach, Mittelbach, Bexbach sowie der Innenausbau in Steinwenden. In Straßburg baute er die katholische Kirche Saint-Pierre-le-Jeune. Zahlreiche private Bauten und Villen, z.B. im Elsass und Saarland entstanden, sowie weitere repräsentative Wohnhäuser in seiner Heimatstadt Landau, wie die Villen Ufer, Heilmann und Streccius. In Neustadt baute er unter anderem die Villen Lieberich-Merkel und Dacqué („Villa Böhm“). An offiziellen Bauten sind unter anderem zu nennen: die Ministerialgebäude am ehemaligen Kaiserplatz (Place de la République) in Straßburg, die Heil- und Pflegeanstalt in Wiesloch, das Bezirksamt in Mannheim sowie der Erweiterungsbau „Markgrafenbad“ in Badenweiler. Im Jahre 1886, im Alter von 32 Jahren, wurde Levy als Lehrkraft an die Baugewerkeschule nach Karlsruhe berufen. Am 18. Oktober 1890 heiratete Ludwig Levy Flora Levinger, die Tochter des Justitiars Michael Levinger. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, die Tochter Marie Babette, geboren am 6. August 1891, und der Sohn Erwin Walter, geboren am 18. Juni 1896.

Im Jahre 1902 wurde Levy dann von Minister Schenkel als bautechnischer Referent und Baurat ins badische Ministerium des Innern berufen. Diese Tätigkeit übte er bis zu seinem Tode aus, wobei er nebenher als Professor weiterhin an der Baugewerkeschule tätig blieb. Auf einer Dienstreise von Freiburg im Breisgau nach Karlsruhe erlag Ludwig Levy am 30. November 1907, im Alter von nur 53 Jahren, einem plötzlichen Herzschlag.

Im Jahre 1938 brannten fast alle seine Synagogen und wurden abgebrochen. Seine Witwe Flora wurde 1940 von Karlsruhe aus nach Gurs, von dort im Sommer 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 23. April 1943 im Alter von 74 Jahren. Ihre beiden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot, Enkelkinder gab es offensichtlich keine. Das beschlagnahmte Wohnhaus von Ludwig Levy in Karlsruhe wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, sein Nachlass ist bis heute verschollen.

Viele der Kirchen und Villen von Ludwig Levy stehen noch und es ist an der Zeit, diesem bedeutenden Architekten aus unserer Region den Rang einzuräumen, der ihm gebührt.

Horst Rosenbaum