Karl Kleeberger

Vor 150 Jahren: Der bedeutende pfälzische Heimatforscher wird geboren

„Welcher Zauber liegt nicht in dem einzigen Wort ‚Harzthal’”. Mit diesen Worten leitete Karl Kleeberger seine Abhandlung „Harzthal“ ein, mit der er 1909 seiner Heimat in den Pfälzischen Geschichtsblättern ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Auf dem bei Fischbach gelegenen Harzthalerhof wurde Karl Kleeberger vor 150 Jahren, am 1. Dezember 1862, geboren.

Als Lehrer, Heimatforscher und Museumsleiter hat er über ein halbes Jahrhundert in Ludwigshafen gewirkt. Und wenn er „Ruhe vor dem Großstadtlärm“ suchte, zog es ihn – wie er schrieb – zeitlebens auf das elterliche Hofgut. Hier lebten die Kleebergers seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, nachdem Graf Friedrich Karl von Wartenberg seinem Jäger und Förster Christian Kleeberger am 22. Dezember 1783 einen Erbbestandsbrief über 15 Morgen Feld im Harzthal ausgestellt hatte. Diesen Besitz konnten die Kleebergers in der Folgezeit als tüchtige Bauern beträchtlich erweitern. Karl Kleeberger war das siebte von zehn Kindern des Gutsbesitzers Christian Kleeberger und seiner vom Kerzweilerhof stammenden Ehefrau Anna Barbara Lieser.

Nach dem Besuch der Fischbacher Volksschule und der Kaiserslauterer Oberrealschule trat er in die Lehrerbildungsanstalt Kaiserslautern ein. Den Weg vom Harzthalerhof nach Kaiserslautern und zurück habe er täglich zu Fuß zurückgelegt, wusste seine Nichte zu erzählen. 19-jährig erhielt er 1881 seine erste Anstellung als Lehrer in Trippstadt, wo er vier Jahre wirkte, ehe er 1885 nach Mechtersheim versetzt wurde. Dort unterrichtete Kleeberger zwei Jahre und kam dann nach Ludwigshafen, jener Stadt, die ihm zur zweiten Heimat werden sollte. 1906 wurde Kleeberger zum Bezirksoberlehrer befördert, 1920 zum stellvertretenden Bezirksschulrat, 1921 zum Stadtschulrat und 1923 zum Bezirksschulrat Ludwigshafen-Land.

Neben den pädagogischen Fähigkeiten wurden von vorgesetzter Stelle stets auch seine Verdienste um die Erforschung der heimatlichen Geschichte hervorgehoben. Der erste Aufsatz, den er veröffentlichte, behandelte ein altes Naturdenkmal, die sagenumwobene „Dicke Eich‘ von Fischbach“, die ihn stets in ihren Bann zu ziehen vermochte und deren Schicksal ihn immer wieder beschäftigte. Ab 1901 veröffentlichte Kleeberger zahlreiche heimat- und volkskundliche Beiträge in vielen Zeitungen, Geschichts- und Heimatblättern.

Sein als Heft 1 der „Sammlungen des Vereins für bayerische Volkskunde und Mundartforschung“ 1902 erschienenes Buch „Volkskundliches aus Fischbach in der Pfalz“ darf als erste volkskundliche Ortsmonographie der Pfalz angesehen werden. Neben der Ortsgeschichte befasst sich Kleeberger in diesem Werk vor allem mit Sitten und Bräuchen, der dörflichen Mundart, dem Aberglauben und der Volksdichtung. Sozialgeschichtlich und sozialgeographisch bedeutsam sind seine Ausführungen und die beigegebenen Skizzen über die Hausformen bei einem „Gäulsbauern“, einem „Kühbauern“ und einem Arbeiter.

In Ludwigshafen wurde Karl Kleeberger ein unermüdlicher Förderer der dortigen Heimatforschung: Als jahrelanger Vorsitzender der „Heimatfreunde“, als Schriftleiter der „Heimatblätter für Ludwigshafen und Umgebung“, als Gründer der Ortsgruppe Ludwigshafen des Historischen Vereins der Pfalz und als Leiter des dortigen Heimatmuseums hat er Beispielhaftes geleistet.

Doch Kleeberger wirkte auch über Ludwigshafen hinaus. Nachdem der Pfälzerwald-Verein 1907 im Saalbau in Neustadt einen Ausschuss zur Förderung von Volkskunst und Volkskunde gegründet hatte, erließ Kleeberger als Vorsitzender dieses Ausschusses 1909 in der Vereinszeitschrift einen Aufruf, volkskundliche Beiträge einzusenden. Als Obmann der Ortsgruppe Ludwigshafen-Mannheim des Literarischen Vereins der Pfalz trat er für die „Hebung der heimischen Bühnenkunst“ ein, sammelte die Werke pfälzischer Bühnendichter und bemühte sich um Aufführungen. Der pfälzischen Wörterbuchkanzlei und der Flurnamensammlung in Kaiserslautern war er ein guter und verlässlicher Mitarbeiter, wie er auch mit viel Verständnis und Erfolg im Kreisausschuss der Pfalz für Natur- und Denkmalschutz tätig war.

Nach seiner Pensionierung (1928) und dem Tod seiner aus Memel stammenden Frau Lucy zog Karl Kleeberger 1931 zu seiner Tochter Elfriede Bartholomä nach Mannheim. Als bei dem schweren Bombenangriff auf Mannheim Anfang September 1943 die Wohnung der Familie Kleeberger-Bartholomä zerstört wurde, fielen auch die Bibliothek und die handschriftlichen Aufzeichnungen des unermüdlichen Heimatforschers dem Krieg zum Opfer. Die Kleider, die er auf dem Leib trug und ein kleiner Handkoffer mit Wäsche waren alles, was er noch besaß.

Auf dem heimatlichen Harzthalerhof, im Hause seines Bruders, des Ökonomierats Daniel Kleeberger (1867-1949) und seiner mit dem Landwirt und Marineoffizier Hermann Weber verheirateten Nichte Anna Nette, fanden Karl Kleeberger und seine Tochter Elfriede Aufnahme. Hier, wo sein Leben seinen Anfang genommen hatte, sollte es auch enden: Nach einem Schlaganfall starb Karl Kleeberger am 1. Oktober 1944 im 82. Lebensjahr. In aller Stille wurde er am 4. Oktober 1944 auf dem Dorffriedhof von Fischbach bestattet.

Karl Kleeberger war in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts – wie seine Freunde und Kollegen Daniel Häberle, Theodor Zink, Albert Becker, Ernst Christmann und andere – ein eifriger Konservator und ein wichtiger Förderer der Heimat- und Volkskundeforschung in der Pfalz. Manche seiner Anregungen haben auch heute nicht an Gültigkeit verloren. „Gilt es doch“, so schrieb Kleeberger bereits 1909, „unsere Heimatprovinz auch nach der volkstümlichen Seite hin noch mehr zu erforschen, das Bestehende zu erhalten und was leise zu verklingen droht, in Wort und Bild festzuhalten, ehe es ganz der Vergessenheit anheimfällt“.

Roland Paul