Kaiser Heinrich IV.

Vor 900 Jahren: Kaiser Heinrich IV. stirbt und wird fünf Jahre später im Speyerer Dom begraben

Abbildung Kaiser Heinrich IV

Heinrich IV. gehört zu den facettenreichsten Herrschergestalten des Mittelalters. Geboren am 11. November 1050 (möglicherweise in Goslar) war er der Sohn Kaiser Heinrichs III. (1039-1056) und Agnes‘, Tochter Herzog Wilhelms V. von Aquitanien und Poitou. Er entstammte dem salischen Herrschergeschlecht, das mit Konrad II. (1024-1039), dem Großvater Heinrichs IV., die Geschicke des römisch-deutschen Reiches lenkte und bis zu Tode von Heinrichs gleichnamigem Sohn, Heinrich V. (1106-1125), den Thron behaupten sollte.

Noch bevor Heinrich sein drittes Lebensjahr vollendet hatte, ließ ihn sein Vater 1053 auf einem Hoftag in Tribur zum Nachfolger wählen. Bereits 1054 wurde der kleine Heinrich in Aachen vom Kölner Erzbischof zum König geweiht und gekrönt. Im Alter von fünf Jahren fand die Verlobung des Thronfolgers mit Bertha von Turin (†  1087 Mainz) statt. Noch auf seinem Totenbett ließ Heinrich III. 1056 die Reichsfürsten erneut die Königswahl seines Sohnes bestätigen. Nach dem Tod des Kaisers am 5. Oktober 1056 übernahm Kaiserin Agnes die Regentschaft für den unmündigen Thronfolger. Sie setzte die Politik ihres verstorbenen Gemahls fort, traf aber zunehmend auf den Widerstand des seit der Synode von Sutri 1046 erstarkenden Reformpapsttums und der auf ihre regionalen Eigeninteressen bedachten Reichsfürsten. Der Widerstand der Fürsten gipfelte Anfang April 1062 in der Entführung des nicht einmal zwölfjährigen Heinrich in Kaiserswerth. Eine Oppositionsgruppe unter der Führung Erzbischof Annos von Köln übernahm daraufhin die Regierungsgeschäfte.

Nach seiner Schwertleite im März 1065 war Heinrich IV. mündig und übernahm dann unter der Beratung Erzbischof Adalberts von Bremen zunehmend selbst die Regierung. Wie sein Vater stützte auch der junge König seine Regierung auf die Verfügung über die Reichskirche. Allerdings vermochte es Heinrich nicht, die Reformkräfte in der Kirche so zu berücksichtigen, wie es seinem Vater gelungen war. Möglicherweise auf Anregung Adalberts von Bremen startete der König im sächsisch-thüringischen Raum Wiedergewinnungsmaßnahmen von Gütern und Rechten, die während seiner Minderjährigkeit durch die Fürsten dem Reich entfremdet worden waren. Zur Umsetzung seiner Königslandpolitik ließ er Burgen errichten, von denen aus das Umland in Konkurrenz zum sächsisch-thüringischen Adel militärisch und wirtschaftlich erfasst werden sollte. In die Burgen wurden landfremde unfreie Dienstmannen (meist aus Schwaben) als Besatzungen gelegt, deren Vorgehen nicht zuletzt die Opposition der sächsischen Fürsten hervorrief.

Den 1073 ausgebrochenen Aufstand der Sachsen konnte Heinrich IV. erst nach einer schmachvollen Niederlage (Friede von Gerstungen 1074) in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut im Juni 1075 und der sich anschließenden Unterwerfung der sächsischen Großen im Oktober 1075 niederschlagen. Allerdings kam es ab Dezember 1075 zur Auseinandersetzung mit dem durch Gregor VII. personifizierten Reformpapsttum. Nach der von Heinrich und einer großen Zahl von insbesondere geistlichen Fürsten erklärten Absetzung Gregors VII. im Januar 1076 antwortete dieser auf der römischen Fastensynode einen Monat später mit der Exkommunikation des Königs und der Entbindung der Untertanen vom Treueid.

Die innerdeutsche Opposition verband sich mit dem römischen Reformpapsttum und forderte Heinrich IV. im Oktober 1076 in Tribur auf, sich binnen Jahresfrist vom Kirchenbann zu lösen sowie dem Papst Gehorsam zu geloben. Zudem luden die opponierenden Reichsfürsten den Papst zur Entscheidung des Streits für Februar 1077 nach Deutschland ein. Heinrich, dem die Absetzung bzw. Wahl eines Gegenkönigs drohte, zog daraufhin zusammen mit seiner Gemahlin Bertha und seinem kleinen Sohn Konrad von Oppenheim über Speyer und Burgund mitten im kalten Winter 1076/77 über die Alpen nach Canossa, einer in Norditalien gelegenen Burg der Markgräfin Mathilde von Tuszien. Dort hielt sich der auf der Reise nach Deutschland befindliche Papst Gregor VII. auf. Der König erreichte am 28. Februar 1077 nach drei Tagen Buß- und Bittleistungen die Lösung vom päpstlichen Bann und damit auch die Rückgewinnung der Vollgewalt seines Königtums.

Allerdings versagte eine Gruppe von Reichsfürsten dem Salier die Gefolgschaft und wählte im März 1077 in Forchheim (Franken) den Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig. Die Gegner Heinrichs warfen ihm Tyrannei, Despotie, Ungeeignetheit, Falschheit sowie weitere persönliche Verfehlungen vor. Vom Papst erhielten weder Heinrich noch sein Gegenkönig die Anerkennung. Obwohl Rudolf von Rheinfelden die Schlacht an der Weißen Elster im Oktober 1080 gewann, unterlag er dennoch dem Salier, da er im Kampf seine rechte Hand, die „Schwurhand“, verloren hatte und den Folgen dieser Verwundung erlag. Der im August 1081 neu gewählte Gegenkönig Hermann von Salm stellte ob seiner politischen und militärischen Schwäche keine Gefahr mehr für Heinrich dar.

Der Konflikt mit Papst Gregor setzte sich indessen fort. Das im Februar 1078 durch die römische Fastensynode verkündete Verbot der Laieninvestitur stellte in der praktischen Umsetzung eine enorme Bedrohung des Herrschertums Heinrichs IV. dar. Denn nach dem Beschluss der Synode sollte es ihm und allen weltlichen Großen künftig nicht mehr gestattet sein, Bischöfe in ihr Amt einzusetzen. Der Wegfall des Investiturrechts musste für den König einem Entzug der Reichskirche, der wichtigsten Stütze seiner Herrschaft, gleichkommen. Er ignorierte jedoch das Verbot und suchte die Entscheidung in einer noch wichtigeren Frage – nämlich die nach dem Vorrang der geistlichen oder der weltlichen Gewalt.

Im März 1080 bannte Papst Gregor den König erneut. Dieser zog im Frühjahr 1081 nach Rom. Einigungsversuche mit dem Pontifex scheiterten ebenso wie mehrere Belagerungen der „Ewigen Stadt“. Da ihm die Römer ihre Tore doch noch öffneten, konnte der Salier schließlich an Ostern 1084 durch die Hand des von ihm selbst eingesetzten Gegenpapstes Clemens III. in Rom zum Kaiser gekrönt werden. Nach der anschließenden Einnahme und Verwüstung der Stadt durch die mit Gregor verbündeten und von ihm zu Hilfe gerufenen Normannen starb der Papst schließlich im Mai 1085 in Salerno. Der Kaiser war schon Mitte 1084 nach Deutschland zurückgekehrt, wo er im Mai 1087 seinen Sohn Konrad zum König krönen ließ. Ein Bündnis der Welfen mit der mächtigen Markgräfin Mathilde von Tuszien sowie ein gegen das Reich gerichteter Zusammenschluss oberitalienischer Städte rief Heinrich 1090 in Italien auf den Plan. Nach anfänglichen Erfolgen war er jedoch militärisch wie politisch isoliert und konnte erst 1097 nach Deutschland zurückkehren. In der Zwischenzeit waren sowohl sein Sohn Konrad (†  1101 Florenz) als auch seine zweite Gemahlin Praxedis-Adelheid (†  1109 Kiew) zur Gegenpartei übergegangen.

1098 ließ der Kaiser den abtrünnigen Konrad in Mainz absetzen und seinen jüngeren Sohn Heinrich zum König designieren. Dessen Krönung fand ein Jahr später unter dem Versprechen statt, niemals gegen seinen Vater vorzugehen. Nach der Verkündung eines allgemeinen Reichslandfrieden und dem Vergeben aller seiner Feinde im Jahre 1103 beging Heinrich einen gravierenden Fehler, als er Anfang 1104 einen an dem Grafen Sigehard von Burghausen durch Bürger und Ministerialen zu Regensburg verübten Mord ungesühnt ließ. Dies brachte insbesondere den hohen Adel gegen ihn auf. Sein Sohn Heinrich, wohl um sein Erbe fürchtend, rebellierte ebenfalls gegen seinen immer noch exkommunizierten Vater und fand die Unterstützung von Papst Paschalis II. Im Dezember 1105 wurde Heinrich IV. von seinem Sohn auf Burg Böckelheim an der Nahe gefangengesetzt und kurz darauf in Ingelheim zur Übergabe der Reichsinsignien so wie zur Abdankung gezwungen. Nach erfolgreicher Flucht starb Heinrich IV. am 7. August 1106 in Lüttich. Nach der Lösung des Kirchenbanns ließ ihn sein Sohn Heinrich V. schließlich am 7. August 1111 in der salischen Grablege im Dom zu Speyer feierlich beisetzen.

Ulrich Burkhart