Johannes Finck

Vor 50 Jahren: Helmut Kohls politischer Ziehvater findet in Limburgerhof seine letzte Ruhestätte

Gründervater der pfälzischen Christdemokratie Johannes Finck

Vor 50 Jahren, am 4. Juni 1953, starb eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Pfalz: Johannes Finck war als Pfarrer und Publizist, Politiker und Parlamentarier gleichermaßen bedeutend. Heute allerdings ist der Gründervater der pfälzischen Christdemokratie und Mentor des späteren Bundeskanzlers Helmut Kohl weithin unbekannt.

1888 in Herxheim geboren und innerhalb einer kinderreichen Familie aufgewachsen, durfte der Sohn eines Polizeidieners dank seiner großen Begabungen das Gymnasium im nahen Landau besuchen und dann katholische Theologie in München und Innsbruck studieren. Bischof Michael Faulhaber weihte ihn 1912 im Speyerer Dom zum Priester. Als Kaplan in Ludwigshafen am Rhein, Weyher (Südpfalz), Lautzkirchen (Saarpfalz), Deidesheim und Frankenthal lernte er verschiedene Ecken seiner Heimat kennen. Bald nach dem Ersten Weltkrieg gründete der Geistliche die „Neue Pfälzische Landeszeitung“ in Ludwigshafen. Er wagte als Chefredakteur die Auseinandersetzung mit der französischen Besatzungsmacht und dem Separatismus. Ebenso entschlossen wandte er sich später auch gegen den Nationalsozialismus.

Nachdem Finck die Leitung der Zeitung an seinen jüngeren Bruder Albert abgegeben hatte, übernahm er den zweiten Vorsitz der pfälzischen Zentrumspartei und zog 1928 als Abgeordneter in den bayerischen Landtag in München ein. Das Dritte Reich überlebte er als Seelsorger der Arbeitergemeinde Limburgerhof bei Ludwigshafen. Zu den vertrauten Besuchern in seinem Pfarrhaus zählten Angehörige des Widerstands gegen Hitler wie Pater Alfred Delp, ein Opfer des 20. Juli 1944. Schon vor Kriegsende 1945 entwickelte Finck zusammen mit Gleichgesinnten die Idee einer interkonfessionelle Volkspartei, der Christlich Demokratischen Union (CDU). Für den Plan, die tiefen Gräben zwischen evangelischen und katholischen Christen gerade in der Pfalz zu überwinden, warb bei einem Treffen in Fincks Pfarrhaus auch Gustav Heinemann, seinerzeit bekannter CDU-Protestant, nachmals erster Bundespräsident mit SPD-Parteibuch.

Die pfälzischen Christdemokraten wählten Dekan Finck nach der Parteigründung 1946 zu ihrem ersten Vorsitzenden. Doch bald zog er sich aus diesem Amt wieder zurück, blieb aber der geistige Kopf der CDU Pfalz und einflussreiche Berater des Bischofs von Speyer, Josef Wendel. Gleichzeitig ging ein 16 Jahre alten Schüler namens Helmut Kohl aus Ludwigshafen-Friesenheim bei Finck in Limburgerhof in die politische Lehre. Die patriotischen und europäischen Impulse, die der Dekan ihm mit auf den Lebensweg gab, prägten den späteren Kanzler der deutschen Einheit und Ehrenbürger Europas nachhaltig. In geheimen Dossiers bezeichneten die französischen Besatzer schon damals die Finck-Brüder als die entschiedensten Vorkämpfer eines ungeteilten Deutschland mit Berliner Zentralgewalt.

Dr. Albert Finck, unter Hitlers Diktatur zeitweise im Gefängnis und nur knapp dem Konzentrationslager Dachau entgangen, arbeitete 1948/49 im Parlamentarischen Rat am Grundgesetz mit. Sein Vorschlag, die dritte Strophe des umstrittenen Deutschlandliedes („Einigkeit und Recht und Freiheit“) zur Nationalhymne der jungen Bundesrepublik zu machen, setzte sich mit Hilfe von Bundeskanzler Konrad Adenauer gegen das Widerstreben des Bundespräsidenten Theodor Heuss durch. Von 1951 bis zu seinem Tod 1956 leitete Albert Finck das rheinland-pfälzische Kultusministerium in Mainz. Während er in Hambach bei Neustadt begraben liegt, wo er mit seiner Familie die beiden letzten Jahrzehnte seines Lebens wohnte, fand Johannes Finck unmittelbar neben der von ihm erbauten Kirche in Limburgerhof die letzte Ruhestätte.

Dr. Theo Schwarzmüller 

Dr. Albert Finck, rechts im Photo; links: Johannes Finck.

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Vom Autor ist 2002 die historische Biographie „Albert Finck und die Nationalhymne. Eine Lebensreise vom Kaiserreich zur Bundesrepublik“, 176 Seiten, erschienen; sie ist für 16,80 Euro im Buchhandel erhältlich.