Geschichte der Gründerzeitvilla

Die im Baustil der Neurenaissance gehaltene Gründerzeitvilla des Instituts am Benzinoring 6, Kaiserslautern wurde 1899/1900 im Auftrag von Rudolf und Auguste Luise Gerlach erbaut. Im Straßenbild fällt der zweigeschossige Backsteinbau mit seinem Säulenportal, den Risaliten, Zwerchgiebeln und dem Eckturm sofort ins Auge. Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 kam es zunächst zu einer Zwangsnutzung des Hauses durch die französische Besatzungsmacht und in den 1920er Jahren zu seinem Verkauf durch die Familie Gerlach: Neue Besitzer wurden der jüdische Geschäftsmann Simon Kehr und seine Frau Helene geb. Jonas. 1936 sah sich die Familie Kehr wiederum auf massiven Druck der nun herrschenden Nationalsozialisten hin gezwungen, ihr Heim zu einem Spottpreis an den Bezirksverband Pfalz zu verkaufen. Aufgrund der sich stetig verschärfenden politischen Lage in Deutschland wanderten die Kehrs mit ihren Kindern Franz und Edith im Pogromjahr 1938 endgültig nach Palästina aus.
Nach 1945 avancierte die Villa für die kommenden Jahre zum Sitz des Direktors der zunächst zerstörten Pfalzgalerie Kaiserslautern, ihr Erdgeschoss beherbergte außerdem die Bibliothek der Landesgewerbeanstalt. Ab 1972 wurde das Haus schließlich Sitz der „Heimatstelle Pfalz“ und nach deren Umbenennung 1986 schließlich des „Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde“. 1980 fanden eine erste Renovierung und ein Umbau statt, seit 1985 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Im September gleichen Jahres besuchte Edith Werner, geb. Kehr volle 50 Jahre nach ihrer Vertreibung erstmals wieder ihr altes Elternhaus. 2017 bis 2018 erfolgte eine umfangreiche Dachsanierung.

IPGV 2018