Geschichte des IPGV

Die Anfänge des heutigen Instituts liegen in der NS-Zeit: Im Oktober 1936 kam es zur Eröffnung der sogenannten „Mittelstelle Saarpfalz – ‚Landsleute drinnen und draußen‘“. Die Neugründung sollte als „Sippen- und Auswanderungsforschungsabteilung „des „Saarpfälzischen Instituts für Landes- und Volksforschung“ ihre Arbeit aufnehmen. Dieses hatte der Leiter des Gaus „Saarpfalz“, Josef Bürkel, erst kurz zuvor ins Leben gerufen, überdies bezuschusste es der Kreistag der Pfalz. Leiter der „Mittelstelle“, welche damals im Kaiserslauterer Karlsberg-Gebäude am Stiftsplatz 5 residierte, wurde Dr. Fritz Braun, u.a. Fachberater für Grenz- und Ausland in der Gaukulturhauptstelle der NSDAP. Die neue Einrichtung stand ohne Frage im Dienste des NS-Regimes und hatte die Aufgabe, seine Ideologie zu legitimieren (Stichworte: Ahnenforschung, „Blut und Boden“). Nicht umsonst umfasste das ihr übergeordnete „Saarpfälzische Institut“ neben der Volkskunde und Flurnamenforschung als Abteilung auch die Pseudowissenschaft der „NS-Rassenkunde“. Braun, nach Kriegsbeginn Offizier der Wehrmacht, arbeitete nach dem „Frankreichfeldzug“ 1940 bis 1942 nicht zuletzt in der lothringischen Annexionsverwaltung. Überdies wurde für die Dauer der deutschen Besatzung Frankreichs in Metz aus politischen Gründen eine Filiale der „Mittelstelle“ errichtet.

Hatte 1945 die US-Besatzungsmacht die „Mittelstelle“ schließen lassen, setzte Braun nach kurzer Kriegsgefangenschaft seine Forschungen zu pfälzischen Auswanderern in den Folgejahren zunächst privat fort. Sein Einsatz zugunsten der Heimatvertriebenen war für den wiedergegründeten Bezirksverband eines der Argumente, ihn 1953 in Kaiserslautern erneut zum Leiter der „Heimatstelle Pfalz“ zu berufen. Jene war bis 1960 noch immer am Stiftsplatz ansässig, zog danach in die Augustastraße 4 und schließlich 1964 in das Gebäude der Landesgewerbeanstalt, dem heutigen Museum Pfalzgalerie. Aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehbar, wurde bei der Schaffung der „Heimatstelle“ ihre ausdrückliche inhaltliche Kontinuität zur NS-Vorgängereinrichtung durch den Bezirkstag Pfalz betont. 1970 beerbte der Kaiserslauterer Historiker Karl Scherer Fritz Braun als Einrichtungsleiter. In seiner Amtszeit erfolgte nicht nur 1972 der erneute Umzug der „Heimatstelle“ in die Gründerzeitvilla am Benzinoring 6, sondern auch eine Erweiterung, Neuausrichtung und Modernisierung der Forschungsinhalte in Richtung Landesgeschichte und Volkskunde.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zu sehen, ist auch die 1986 erfolgte Umbenennung der Einrichtung in die heute noch gültige Bezeichnung „Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde“ (IPGV). Innere Verfasstheit und Aufgaben des Instituts sind seit den 1980ern, ungeachtet einzelner Neujustierungen, grundsätzlich unverändert geblieben.

    Direktorinnen und Direktoren des Instituts und seiner Vorgängereinrichtungen

      Mittelstelle Saarpfalz (ab 1940 bis 1945 Mittelstelle Westmark)

      Dr. Fritz Braun (1936 bis 1945)

        Heimatstelle Pfalz

        Dr. Fritz Braun (1953 bis 1970)

        Karl Scherer (1970 bis 1986)

          Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde

          Karl Scherer (1986 bis 2002)

          Dr. Theo Schwarzmüller (2002 bis 2012)

          Roland Paul (2012 bis 2016)

          Dr. Sabine Klapp (seit 2016)