Georg Weber

Vor 200 Jahren: Georg Weber, alleiniger Verfasser einer 15-bändigen Weltgeschichte, wird in Bergzabern geboren

Georg Weber

„Das war ein schöner Junimorgen, als etwa zwölf bis fünfzehn Honoratioren der Stadt unter der Eichengruppe vor dem Denksteine das einstige Bergzaberner Kind mit trefflichem Rheinweine und Imbiss bewirteten und Dekan Maurer mit einer herzlichen Ansprache den anwesenden Gast willkommen hieß! Mir kam dabei in den Sinn, dass zwei Städte, die in ihrem Namen an Berg erinnern, einflussreich auf mein Leben eingewirkt haben.“

So beschreibt der Historiker Georg Weber den Empfang, den ihm seine Freunde 1882 in seiner Geburtsstadt bereiteten. In diesem Jahre wurde sein Denkmal auf dem Festplatz an dem Liebfrauenberg aufgerichtet, 1968 an den Eingang des Philosophenweges versetzt. Die Stadt Bergzabern hat auch einer Straße den Namen dieses Mannes gegeben, der, aus einfachen Verhältnissen gekommen, zu einem anerkannten Gelehrten geworden ist.

Georg Weber wurde am 10. Februar 1808 in Bergzabern geboren. Von 1836 bis 1838 war er Rektor der Bergzaberner Lateinschule, der Vorläuferin des Gymnasiums. 1839 siedelte er nach Heidelberg über, wo er viele Jahrzehnte als Pädagoge und Publizist wirkte. Er leitete zuletzt die „Höhere Bürgerschule“ (heute das Helmholtz-Gymnasium). Aus seiner Feder stammt eine Reihe von pädagogischen und historischen Werken. Von seinem „Lehrbuch der Weltgeschichte“ und seiner „Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung“ erschienen mehr als 20 Auflagen.

Webers Hauptwerk ist die „Allgemeine Weltgeschichte“ in 15 Bänden, an der er 24 Jahre arbeitete. Über dieses Werk schrieb vor 100 Jahren der englische Historiker Henry Smith Williams, der die „Historian’s History of the World“ herausgab: “ Es mag hier genügen zu sagen, dass man Dr. Weber den Diodor der Neuzeit nennen muss, und sein Werk ist ohne Zweifel die vollständigste und umfassendste Darstellung der Weltgeschichte, die jemals von einer Hand verfasst ist.“ Die Weberschen Werke erreichten mit ihren zahlreichen Übersetzungen eine Auflage von einer Million. Bismarck schrieb einmal, dass der „Große Weber“ zu seinem unerlässlichen Rüstzeug gehöre. Weber war zu seiner Zeit der meistgelesene Geschichtsschreiber in der Welt.

In der Neckarstadt hatte er die Ehe mit Ida Becher geschlossen, einer Frau „mit den trefflichsten Eigenschaften des Geistes und Herzens“. Sie habe einen regen Anteil an seiner Arbeit genommen und sie durch ihr feines Urteil gefördert, sagte Weber. Das Haus Webers am rechten Neckarufer wurde zu einem Treffpunkt von Gelehrten und Künstlern, von denen die „Heidelberger Erinnerungen“ handeln. Das Ehepaar Weber hatte vier Söhne, die sich einen Namen auf dem politischen wie auf dem wissenschaftlichen Felde machten.

Der älteste Sohn, Friedrich Heinrich, studierte Mathematik, wurde 1895 Professor der Straßburger Hochschule. Sein „Lehrbuch der Algebra“ wurde 1962 wieder aufgelegt. Er heiratete die Tochter eines Hofpredigers des Großherzogs von Weimar. Der zweite Sohn, Carl Emil, war Vizekonsul des Deutschen Reiches in Petersburg; er wirkte danach als Mitglied der nationalliberalen Partei im Deutschen Reichstag und in der Zweiten Kammer des Großherzogtums Baden.

Friedrich Percy, der dritte Sohn, lebte als Redakteur in Berlin; er schrieb neben Gedichten auch Novellen und Romane. Sein Lied „Reicht mir das alte Burschenband“ singen noch heute Heidelbergs Studenten. Dem Vater half Friedrich Percy bei der Redaktion der zweiten Auflage der „Allgemeinen Weltgeschichte“. Der jüngste Sohn war Georg, der als Kaufmann in Genf und London sein Brot erwarb. Als Privatier nahm er seinen Aufenthalt in Neuenheim.

Die Tochter Karoline wurde die Ehefrau des Theologen Heinrich Holtzmann, der eine Professur für Neues Testament an der Straßburger Hochschule bekleidete. Eine weite Verbreitung fand sein „Lehrbuch der neutestamentlichen Theologie“. Sein berühmtester Schüler war Albert Schweitzer. Holtzmann war gegen die Einwände zweier Kollegen der Fakultät für die Habilitation Schweitzers eingetreten. Er ermunterte auch seinen Schüler zu der Arbeit über die „Leben-Jesu-Forschung“, die 1906 in Tübingen erschien.

Eine Enkelin von Georg Weber war Adelheid Steinmann-Holtzmann, die mit Erfolg für die Zulassung von Frauen an den Hochschulen stritt. Sie war von 1900 bis 1914 Vorsitzende des Vereins „Frauenbildung-Frauenstudium“. 1912 wurde sie Mitglied der Nationalliberalen Partei, 1919 in Bonn eine der ersten weiblichen Stadtverordneten. Einen sicheren Listenplatz für die Nationalversammlung hatte sie Dr. Marie Elisabeth Lüders überlassen.

Günther Volz

Zum Weiterlesen:

  • Georg Weber: Heidelberger Erinnerungen, Stuttgart (Cotta) 1886.
  • Georg Weber: Jugendeindrücke und Erlebnisse. Ein historisches Zeitbild, Leipzig (Engelmann) 1887.
  • Wolfgang Schlegel: Georg Weber (1808-1888). In: Pfälzer Lebensbilder, 4. Band. Speyer 1987, S. 179-204.