Fritz Wunderlich

Vor 75 Jahren: Fritz Wunderlich in Kusel geboren

Fritz Wunderlich

„Ein idealer Sänger!“, so lobte ein Kritiker Fritz Wunderlich nach seinem ersten Auftritt bei den Salzburger Festspielen im Jahre 1959. Der Pfälzer war innerhalb weniger Jahre zu einem der gefragtesten Tenöre geworden. Er gilt heute noch als unerreichter Lied- und Opernsänger. Sein außergewöhnliches Talent bescherte ihm einige ruhmreiche Jahre, die jedoch durch eine tragische Schicksalswendung plötzlich beendet wurden.

Fritz Wunderlich kam am 26. September 1930 in Kusel zur Welt. Das Talent wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, waren seine Eltern doch professionelle Musiker: sein Vater war Dirigent, seine Mutter Geigerin. Beide kamen bereits 1929 mit ihrer Tochter Marianne von Thüringen in die Pfalz und betrieben in Kusel eine Gastwirtschaft.

Wunderlichs Kindheit war geprägt von schweren Zeiten und Entbehrungen. Als Fritz gerade fünf Jahre alt war, starb sein Vater. Die kleine Familie musste sich von nun an alleine durchschlagen. Um die Mutter zu unterstützen, halfen Fritz und seine Schwester bereits im jugendlichen Alter mit beim Geldverdienen. Fritz tat dies als Sänger, Dirigent und Instrumentalist und spielte bei Veranstaltungen zum Tanz auf. In dieser Zeit machte er erstmals die Öffentlichkeit auf sein Talent aufmerksam. Angespornt von seinem Gymnasiallehrer Professor Joseph Müller-Blattau, der ihn im Schulchor singen gehört hatte, begann Fritz Wunderlich mit Gesangsstunden in Kaiserslautern bei Käthe Bittel-Valckenberg – die Strecke von knapp 40 Kilometern legte er jeweils mit dem Fahrrad zurück.

Im Alter von 20 Jahren erhielt Fritz Wunderlich einen Studienplatz an der Musikhochschule in Freiburg. Seine Lehrerin war die bekannte Gesangspädagogin Margarethe von Winterfeldt. Mit ihr verband Wunderlich ein ganz besonderes Verhältnis, legte sie doch den Grundstock für seine Karriere und formte den Kuseler Jungen zu einem Sänger, der auch auf internationalen Bühnen bestehen konnte. Neben der Gesangsausbildung absolvierte er zusätzlich ein Hornstudium. Dadurch eignete er sich eine Atemtechnik an, die ihm später beim Singen zu Gute kam und seinen scheinbar unendlichen Atem schulte.

 

Im Jahre 1955, nach seinem Studienabschluss, engagierte ihn die Württembergische Staatsoper in Stuttgart. In einer seiner ersten Rollen brillierte er als Tamino (Abbildung) in der Zauberflöte. Tamino wurde zu der Rolle, mit der Wunderlich bis heute am stärksten identifiziert wird.

In den folgenden Jahren vergrößerte Wunderlich stetig sein Rollenspektrum. Er war nun in der Oper beispielsweise als Belmonte in der „Entführung aus dem Serail“, dann aber auch als Solist bei Bach-Passionen oder Haydn-Oratorien zu hören, was ein Zeichen seiner ungemeinen stimmlichen Bandbreite war. 1959 trat Wunderlich erstmals bei den Salzburger Festspielen auf. Unter Karl Böhm begeisterte er als Henry in Richard Strauss‘ komischer Oper „Die schweigsame Frau“.

Mit diesem Auftritt startete seine internationale Karriere. Seitdem war Fritz Wunderlich im In- und Ausland gefragt. Engagements führten ihn unter anderem nach Berlin, Aix-en-Provence, Venedig, Buenos Aires, London, Wien und Mailand. 1960 verpflichtete ihn die Bayerische Staatsoper in München, 1962 erfolgte die Ernennung zum Kammersänger, 1963 erhielt er eine Anstellung an der Wiener Staatsoper. Dort glänzte er ein Jahr später in der Hauptrolle von Pfitzners „Palestrina“, einer überaus diffizilen Partie, die eigentlich mit Sängern höheren Alters besetzt wird. Doch Wunderlich überzeugte die Fachwelt gänzlich mit seiner Leistung. Im gleichen Jahr sang Wunderlich seine erste Wanger-Oper als Steuermann im „Fliegenden Holländer“. 1965 spielt er Don Ottavio an der Covent Garden Opera in London. 

Fritz Wunderlich als Tamino in der Zauberflöte.

 

Wunderlich war unglaublich vielseitig, was die Auswahl seiner Rollen widerspiegelt. Er spielte Titelpartien in Opern alter Meister wie Mozart, Verdi oder Strauss ebenso wie in zeitgenössischen Werken und Uraufführungen, beispielsweise von Werner Egk. Aufgrund seiner gewinnenden Persönlichkeit – Wunderlich wurde stets als ein gut gelaunter und immer zu Scherzen aufgelegter Mensch beschrieben – und nicht zuletzt aufgrund seines außerordentlichen Talents war Wunderlich unter seinen Musikerkollegen sehr geschätzt. Eine enge Freundschaft verband Wunderlich mit dem Sänger Hermann Prey. In Kaiserslautern stand er des Öfteren gemeinsam mit Emmerich Smola und dem SWR-Orchester auf der Bühne und produzierte diverse Tonbandaufnahmen.

Trotz seiner zahlreichen beruflichen Verpflichtungen fand Wunderlich auch immer Zeit für seine Familie. Bereits 1956 heiratete er die Harfenistin Eva Jungnitsch. Ihre Kinder Constanze, Wolfgang und Barbara kamen 1957, 1959 und 1964 zur Welt. Gemeinsam lebten sie zunächst in Stuttgart, später in München.

Wunderlichs enormes sängerisches Vermögen schlug sich nicht nur in den Opern- und Oratorienaufführungen nieder. Auch als Liedsänger erlangte er Ruhm und Ehre. Seine Liederabende, die er seit 1962 mit Interpretationen von Schubert-, Schumann- und Beethoven-Werken ausführte, wurden von Fachwelt und Publikum gleichermaßen geachtet. Die Tonaufnahmen, begleitet von Hubert Giesen, sind bis heute hochgeschätzt.

Fritz Wunderlich war innerhalb weniger Jahre zum Star und Vorbild für andere Sänger geworden. Seine Karriere, die längst noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte, nahm jedoch einen jähen Abbruch, und das, bevor er die Bühnen der Welt endgültig erobern konnte. Ende September 1966 war Wunderlich für einen Auftritt in der New Yorker Met vorgesehen. Ein Unfall am 17. September 1966 beendete sein junges Leben kurz vor seinem 36. Geburtstag auf tragische Weise. Im Haus eines Freundes stürzte Fritz Wunderlich die Treppe hinunter und zog sich dabei so schwere Kopfverletzungen zu, dass er einen Tag später im Heidelberger Klinikum verstarb. Die Trauer war unendlich groß, fassungslos reagierten Familie, Freunde und Kollegen. Die Fachzeitschrift „Oper & Konzert“ schrieb in einem Nachruf: „Die Musikwelt wird dunkler sein ohne das Leuchten seiner Stimme.“

Fritz Wunderlich hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt. Seine Aufnahmen diverser Werke gelten immer noch als Maßstab für Sänger. Schon zu Lebzeiten wurden seine Leistungen ausschließlich mit Superlativen beschrieben, vor allem der schöne Klang seiner markanten Stimme sowie sein ausgeprägtes Stilgefühl. Für viele gehört Fritz Wunderlich zu den besten lyrischen Tenören, die es jemals gegeben hat.

Aufgrund der großen Nachfrage werden in regelmäßigen Abständen Wunderlichs Einspielungen immer wieder neu aufgelegt, auch anlässlich seines 75. Geburtstags erscheinen verschiedene Editionen. Ihm zu Ehren richtete seine Geburtsstadt Kusel im Heimatmuseum eine Gedenkstätte ein, denn Wunderlich blieb seiner pfälzischen Herkunft stets treu verbunden. Davon zeugt beispielsweise das „Kusellied“, eine Hommage an die Heimat, getextet und vertont von Fritz Wunderlich.

Barbara Schuttpelz