Franz Matt

Vor 75 Jahren: Zum Tod des bayerischen Kulturminister Franz Matt

Bayerischer Kulturminister Franz Matt

Heute ist der Jurist und Politiker Franz Matt aus Offenbach an der Queich nahezu vergessen. Dabei war der 1860 geborene und in der Zeit der Weimarer Republik wirkende Politiker für die Schul- und Kirchenpolitik des damals auch die Pfalz umfassenden Freistaats Bayern durchaus von Bedeutung. Er starb vor genau 75 Jahren, am 4. August 1929.

Der promovierte Jurist absolvierte eine klassische Beamtenlaufbahn in verschiedenen Regierungsbezirken Bayerns. Er arbeitete in Speyer, Frankenthal, Neustadt, Würzburg, Bogen sowie München und erreichte den Höhepunkt seiner Karriere in den Jahren 1920 bis 1926 als Staatsminister für Unterricht und Kultus. Er wurde nach Ablösung der sozialdemokratischen Regierung im Jahre 1920 einer der einflussreichsten Repräsentanten katholisch-konservativer Politik und wirkte in vier Kabinetten als Kultusminister. Der Sohn des Offenbacher Schullehrers Wendelin Matt vermochte der bayerischen Kultuspolitik im Bereich der Volksschule und in Kirchenfragen über Jahrzehnte einen Stempel aufzudrücken wie vermutlich kein Politiker vor und nach ihm. Franz Matt, der mit der Speyerer Wirtstochter Louise Burdy verheiratet war, trat – 1926 von Krankheit bereits schwer gezeichnet – von seinen Ämtern zurück.

Oswald Spengler hat einmal formuliert: „Ein politisches System muss so angelegt sein, dass mit großer Wahrscheinlichkeit so starke Begabungen tatsächlich an der geeigneten Stelle und unter hinreichender Schulung vorhanden sind, wie sie das System stillschweigend voraussetzt.“ Matt erfüllte jenen Typus des kenntnisreichen Juristen mit politischer Begabung, eines nüchtern und politisch klar denkenden Realpolitikers ohne Abstriche. Freilich war Matt einer, der nach außen nicht in Erscheinung trat, sondern der im Hintergrund wirkende Beamte im klassischen Sinn.

Franz Matt verfügte 1920 die Wiedereinsetzung des konfessionell gebundenen Schulwesens, er verhandelte für den Freistaat Bayern das Konkordat mit der katholischen Kirche sowie die Verträge mit den evangelischen Landeskirchen links und rechts des Rheins. Insbesondere das Konkordat, das das Verhältnis von Staat und Kirche regelt, hat für Bayern mit geringen Änderungen bis heute Gültigkeit.

Matts vermutlich größte, aber weithin vergessene Leistung ist seine Rolle während des Hitler-Ludendorff-Putsches im November 1923. Jener Franz Matt war es, der als stellvertretender Ministerpräsident ein klares Zeichen setzte und den Putsch schon in der Nacht vom 8. und 9. November 1923 als Hochverrat titulierte. Seinem entschiedenen Eintreten für den Staat der Weimarer Republik, den Hitler und seine Anhänger schon damals aus den Angeln heben wollten, ist es zu verdanken, dass am 9. November beim Marsch zum von den Aufständischen bereits besetzten Bayerischen Kriegsministerium kein Bürgerkrieg ausbrach; schließlich war in jenen Tagen die Unterstützung für jegliche Gegner der Republik groß und es gab eine Vielzahl von Anhängern für einen solchen Umsturz, bis in die oberen Ränge von Politik und Verwaltung.

Dieses rechtzeitige Eingreifen, das dazu beitrug, den Putsch schnell und zu beenden, war auch der Landtagsabgeordneten Ellen Ammann zu verdanken, die in jener Nacht „mehr Mut bewiesen (hat), als manche Herren in Männerhosen“ (F. Matt). Sie stellte für eine Gruppe loyaler Politiker die Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen das „Rumpfkabinett Matt“ und andere Politiker das weitere Vorgehen berieten.

Franz Matt war ein in jeder Hinsicht aufrichtiger Staatsdiener, der von seinen Kollegen und Bekannten im Allgemeinen als Zauderer, aber auch als nüchterner Realpolitiker, der keine Experimente zuließ, beschrieben wird. Er war zeitlebens der Pfalz verbunden. Der couragierte, in München lehrende Chemie-Nobelpreisträger Richard Willstätter, der Franz Matt gut kannte, beschreibt ihn als „guten Pfälzer“ und berichtet in seinen Lebenserinnerungen von einer Episode, wie er eines Morgens von Matt besucht wurde. Dabei, so Willstätter, hielt Franz Matt „die frühe Vormittagsstunde … nicht davon ab, meinem Ruppertsberger Hoheburg Ehre zu erweisen“.

Dr. Lydia Schmidt

Von der Autorin ist erschienen:

Kultusminister Franz Matt (1920-1926). Schul-, Kirchen- und Kunstpolitik in Bayern nach dem Umbruch von 1918. München 2000.