Eduard Orth

Vor 100 Jahren: Ehemaliger rheinland-pfälzischer Kultusminister wird in Germersheim geboren

Niemand war länger Kultusminister von Rheinland-Pfalz, aber um seine Wahl hatte es heftigen Streit zwischen „Nord- und Südlichtern“ gegeben: Eduard Orth aus Speyer, geboren vor 100 Jahren am 13. Oktober 1902 in Germersheim, gehörte zu den führenden pfälzischen Politikern beim demokratischen Wiederaufbau nach 1945.

Als 1956 der amtierende Kultusminister Albert Finck aus Hambach plötzlich starb, erregte die Kontroverse um seine Nachfolge auch über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit. Die pfälzische CDU forderte, dass Ministerpräsident Peter Altmeier wieder einen Pfälzer berufen müsse und benannte ihren Vorsitzenden, den Bundestagsabgeordneten Dr. Orth. Doch aus den nördlichen, vormals preußischen Landesteilen setzte eine Pressekampagne gegen ihn ein. Aus all diesen Artikeln spreche „ein tiefer Hass und eine geradezu beleidigende Verachtung des südlichen Landesteils“, stellte Philipp Weindel, Speyerer Domkapitular, damals in einem privaten Brief fest. Als Gegenkandidat hielt sich namentlich der frühere Kultusminister Adolf Süsterhenn, Jurist aus Koblenz, bereit. Doch Orth machte das Rennen. „Ein Pfälzer soll es sein!“ hatten auch die Zeitungen in der Pfalz einhellig gefordert.

Eduard Orths mehr als zehnjährige Amtszeit stand im Zeichen einer Konsolidierung des Bildungssystems und der Kontroversen um die Konfessionsschulen. Verdienste erwarb sich der Minister, ein Anhänger des klassischen Gymnasiums, unter anderem um den Ausbau der Landesuniversität Mainz und die Domrenovierungen in Speyer, Worms, Mainz und Trier sowie den Wiederaufbau des Herzogschlosses von Zweibrücken. 1963 gab Orth seinen pfälzischen Parteivorsitz an den 33 Jahre alten Helmut Kohl ab, 1967 sein Ministeramt an den dynamischen Reformer Bernhard Vogel.

Eduard Orth, jüngstes von acht Kindern eines Postbeamten, war in Bergzabern, Bad Dürkheim und Neustadt aufgewachsen. 1922 legte er am Humanistischen Gymnasium in Neustadt das Abitur ab. Er studierte Betriebs- und Volkswirtschaft, Staatswissenschaften und Kunstgeschichte in Mannheim, München und Innsbruck. Nach seiner Promotion zum Dr. rer. pol. arbeitete er zunächst als kaufmännischer Angestellter, bis er 1927 in das Speyerer Geschäft seines Onkels, die Pfälzische Möbelfabrik, als Leiter und Teilhaber eintrat. Politisch gehörte er vor 1933 der Bayerischen Volkspartei an und 1945 zum Gründerkreis der Christlich-Demokratischen Union. Vom Ratsmitglied in Speyer stieg er 1949 und 1953 mit einem Direktmandat in der Südpfalz zum Abgeordneten des ersten und zweiten Deutschen Bundestags auf.

Kaum ein Jahr, nachdem Orth aus seinem Mainzer Ministeramt ausgeschieden war, erlag er am 31. März 1968 im Alter von 65 Jahren einem Herzinfarkt. Der Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Germersheim und Ehrenvorsitzende der CDU Pfalz wurde in Speyer begraben.

Dr. Theo Schwarzmüller