Johann Eimann

Vor 250 Jahre in Duchroth geboren: Johann Eimann

Scherenschnitt Johann Eimanns aus seiner Hinterlassenschaft

Scherenschnitt Johann Eimanns aus seiner Hinterlassenschaft

Am 23. April jährte sich zum 250. Mal der Geburtstag von Johann Eimann, eines Pioniers der deutschen Siedlungen in der Batschka.

1764 wurde Johann Eimann in dem damals zum Herzogtum Zweibrücken gehörenden Ort Duchroth in der Nordpfalz geboren. Seine Eltern waren Barbara Fritz und deren zweiter Ehemann, der mennonitische Gutspächter Peter Eimann. Dieser war der Spross einer alten, ursprünglich in der Schweiz beheimateten Mennonitenfamilie. Johann Eimanns Mutter war in erster Ehe mit Christian Eicher verheiratet, der unter Hinterlassung von drei Kindern früh verstorben war. Zusammen mit ihnen wuchs Johann Eimann auf dem ehemahligen Günterrode’schen Hof in Duchroth auf.

In der örtlichen Volksschule fiel Johann Eimann durch seine außerordentlich guten Leistungen auf, so dass ihn sein Vater 1777 an der Lateinschule in Meisenheim anmeldete. Auch dort wurde er bald der Primus seiner Klasse. Es war sein Wunsch, ein Studium an der Universität Heidelberg aufzunehmen, doch gerade als er die Lateinschule in Meisenheim abgeschlossen hatte, starb 1780 sein Vater. So kehrte Johann Eimann in das nunmehr kurpfälzische Duchroth zurück (Der Ort war ein Jahr zuvor mit dem benachbarten Oberhausen vom Herzogtum Pfalz-Zweibrücken gegen das westpfälzische Amt Kübelberg an die Kurpfalz abgetreten worden.) An ein teures Studium war nun nicht mehr zu denken. Den Hof zu Hause übernahm sein älterer Halbbruder Peter Eicher. Christian Eicher, der andere Halbbruder, betrieb inzwischen die Mühle in Wendelsheim. Dorthin ging Johann Eimann, um das Müllerhandwerk zu erlernen. Doch diese Ausbildung füllte den jungen Mann nicht aus, ließ ihm aber etwas Zeit, um sich nebenbei weiterzubilden. Nach Beendigung seiner Müllerlehre im Jahre 1783 erteilte er einem jungen Mann in Sobernheim Unterricht. Diese Tätigkeit entsprach vielmehr seinen Neigungen. „Wir taten den ganzen Winter nichts als  Bilder malen, lesen und rechnen“, schrieb er später einmal rückblickend. Ein Schulfreund  wollte ihm 1784 eine Kanzleischreiber-Stelle beim herzoglich-zweibrückischen Oberamt Meisenheim verschaffen. Doch, wie er selbst schrieb, „religionshalber“, weil er Mennonit war, hatte er keine Chance, diese Stelle zu bekommen. Was sollte er tun? In die Abhängigkeit seiner Brüder wollte er sich keinesfalls begeben. Ein Aufnahmegesuch beim Dragonerregiment in Kreuznach, wurde abgelehnt, weil er den Militärs als körperlich zu schwach erschien. Was tun?

Schon 1783 hatte sich aus seinem Heimatort Duchroth eine große Gruppe von Menschen unter Führung des Lehrers Peter Decker nach Galizien aufgemacht. Das hatte auch Johann Eimann damals sehr bewegt. Es wird berichtet, dass in dieser schweren Notzeit „die ganze Gegend  in Bewegung zu kommen schien, auswandern zu wollen.“

Die Not war damals in der Pfalz außerordentlich groß. 1783 berichtete der Oberamtmann von Winnweiler an die Vorderösterreichische Regierung in Freiburg, dass in fast allen Orten der Grafschaft „Vermögensmangel“ herrsche: „Begreiflich, wenn ein mittelmäßiger Bauer 4 oder 5 bis 6 Kinder hinterlässt, sein Gütchen also an 5 bis 6 Erben verteilt wird, so könne sich keiner als Bauer oder Handwerker ernähren, sondern bleibe armer Tagelöhner, der bei schwerer Arbeit kaum das tägliche Brot verdiene…“

Im Frühjahr 1783 befasste sich Eimann schließlich selbst mit dem Gedanken der Auswanderung. Er begab sich nach Winnweiler, den Sitz der österreichischen Grafschaft Falkenstein, wo er einen guten Bekannten hatte, den Sekretär Schwarz. Dieser war gewissermaßen eine Schlüsselfigur, was die Auswanderung Johann Eimanns in den Südosten anging. Später schrieb Eimann, Schwarz habe ihm versichert, dass „die Auswanderung für ihn „wohlgetan wäre, zumal ich“ – wie er schrieb – „in der Deutschen Sprache erfahren und nun in Polen und Ungarn alles deutsch traktiert werden müßte; in Ansehnung dessen ich gewiß mein Glück machen würde…Ich wurden dazumal solcher Gestalt eingenommen, daß ich mich auch beschlossen  mein Vaterland zu verlassen.“ Schwarz gab Eimann ein Empfehlungsschreiben für den Hofagenten Anton von Welz in Wien mit.

Zurück in Duchroth, besprach er die Angelegenheit mit seiner Mutter, seinen Halbbrüdern sowie weiteren Verwandten und Freunden. Die Mutter wollte ihn aber nicht allein ziehen lassen, sondern empfahl ihm, sich vor der Auswanderung zu verheiraten. Sie hatte sogar schon die Braut für ihn ausgesucht, nämlich Elisabeth Heinrich, die 1768 im nordpfälzischen Sitters geborene Tochter des Schneidermeisters Johann Heinrich und seiner Frau Christine, geb. Greis. Der Vater von Elisabeth war bereits 1776 gestorben und seine Witwe war daraufhin mit ihren vier Kindern nach Duchroth übergesiedelt. Johann Eimann war mit der Empfehlung seiner Mutter einverstanden und so verlobten sich die beiden vor der Auswanderung.

In seinem Reisebüchlein listete Johann Eimann alles auf, was sie von zu Hause auf die Reise mitnahmen. Außer der Weißwäsche und der Kleidung nahm er u. a. seine Tabakspfeife, seine Flöte und verschiedene Bücher mit wie ein Staats- und Zeitungslexikon, das Neue Testament, zwei Gesangbücher, den Katechismus und eine lateinische Grammatik.

Am 30. Mai 1785 verabschiedeten sich Johann Eimann und Elisabeth Heinrich von ihren Angehörigen und Freunden und begannen mit vier Familien aus Duchroth und einer Familie aus Odernheim ihre Reise, die sie zunächst auf dem Landweg mit Fuhrwerken über Mainz, Frankfurt am Main, Aschaffenburg, durch den Spessart nach Würzburg, weiter durch Franken über Kitzingen in die alte Reichsstadt Nürnberg führte, bis sie am 17. Juni nach Regensburg kamen. In Regensburg hielten sie sich zwei Tage auf, besichtigten die schöne Altstadt und bestiegen dann ein Schiff, eine sogenannte „Ulmer Schachtel“, und fuhren donauabwärts über Straubing, Passau und Linz. Am 28. Juni trafen sie in Wien ein, wo sie in einem Gasthof der Leopoldstadt Quartier fanden. Schon am folgenden Tag begab sich Johann Eimann zu Herrn von Welz in die Hofkanzlei und überreichte ihm das Empfehlungsschreiben des Winnweilerer Sekretärs Schwarz. Dazu schrieb Eimann. „Herr Hofagent Welz wollte uns in Wien behalten, aber weil ich zu sehr für die Ansiedlung inflamiert war, so erhielt ich auch ein Akumendationsschreiben nach Ungarn an Herrn Ansiedlungskommissar Baron von Weißenbach.“ Aus dem ursprünglich gefassten Plan, in das ehemalige polnische Galizien auszuwandern und den 69 Familien aus seiner nordpfälzischen Heimat zu folgen, die zwei Jahre zuvor dorthin gegangen waren, wurde nichts, da dort bereits alle Bauernstellen besetzt waren. Johann Eimann und den anderen Duchrothern wurde beschieden, dass sie nur in Ungarn angesiedelt werden könnten. Vor der Weiterreise wurden Eimann und seine Braut in Wien getraut. Fünf Tage später verließ die Auswanderergruppe auf der Donau Wien und erreichte am 15. Juli Ofen, im heutigen Budapest gelegen. Hier meldeten sie sich auf der Statthalterei, wo jedem ein Gulden Reisegeld ausgehändigt wurde. In Pest mieteten sie sich einen Reisewagen, um über die Kecskemeter Heide nach Kula zu fahren, wo ihnen noch einmal ein Reisegeld ausgehändigt wurde. Unweit von Kula, in dem neuangelegten Kolonistendorf Neuwerbaß wurden die Einwanderer vorläufig einquartiert. Ein paar Tage später sprach Eimann bei Baron von Weißenbach, dem Chef des Ansiedlungsamt der Batschka in Sombor vor, der ihn mit dem Ingenieur und Baudirektor Joseph von Kiss bekannt machte, der das Ansiedlungsbauamt leitete. Eimann wurde zum Baukanzlisten des Rentamts von Kula ernannt und beauftragt, das halbfertige Kolonistendorf Neuwerbaß zu vollenden. Die erste große Herausforderung, der sich Eimann in Neuwerbaß zu stellen hatte, war die Anlage eines Entwässerungsgrabens, der aufgrund des hohen Grundwasserspiegels notwendig geworden war.

Die Tätigkeit Eimanns in Neuwerbaß wurde von vorgesetzter Seite bald sehr gewürdigt, so dass er bereits im April 1786 zum Baurechnungsführer befördert wurde. Im kam nun auch die Aufgabe zu, den Siedlern in Neuwerbaß die ihnen vom Kaiser zugesicherte Verpflegung, das Kopfgeld sowie die Haus- und Ackergeräte auszuliefern. Nachdem der Ausbau von Neuwerbaß abgeschlossen war, siedelte Eimann mit seiner Frau nach Torscha in die erste protestantische Siedlung, die in der Regierungszeit Josefs II. in der Batschka gebaut wurde, über. Dort waren infolge starker Regenfälle mehrere Häuser eingestürzt, die unter der Leitung Eimanns wieder aufgebaut wurden. Dazwischen kümmerte er sich um die Siedlungen Kischker und Siwatz, wo er die Siedler ebenfalls mit Kopfgeldern, Saatfrucht, Lebensmittel sowie Haus- und Ackergerät versorgte. All diese Siedlungen sowie Cservenka, Szeghegy, Bulkesz und Jarek waren rein evangelisch-lutherische Siedlungen, und wurden alle zwischen 1784 und 1787 angelegt, während Palanka, Kula, Veprovacz, Bresztovacs und einige andere  rein katholische Siedlungen waren.

Im Jahre 1789 ist schließlich der Aufbau der josefinischen Siedlungen in der Batschka zum Abschluss gekommen. Die damit beauftragten Beamten wurden entlassen. Die Kameralverwaltung übertrug Eimann nun das Amt des Lehrers in der Gemeinde Neusiwatz. Die Lehrerstelle bekleidete er aber nur drei Jahre. 1793 wurde er zum Gemeindenotar von Neusiwatz ernannt und trug ganz wesentlich zum weiteren Ausbau der Siedlung bei. Auch setzte er sich für die Behebung der Probleme ein, die die Siedler mit den dort ansässigen Serben hatten.

Am 20. März 1817 starb Eimanns Frau Elisabetha im Alter von 48 Jahren. In den 32 Jahren ihrer Ehe hatte sie 14 Kinder geboren. Von ihnen sind allein 12 im Kindesalter verstorben. Nur zwei, die Tochter Susanna und der Sohn Carl, erreichten das Erwachsenenalter. Ein Vierteljahr nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Johann Eimann die 18 Jahre jüngere verwitwete Susanna Hockenberg, geb. Carbon, die als Dreijährige 1785 mit ihrem Vater nach Ungarn kam und in Neusiwatz erzogen wurde. Später schrieb Eimann „Der mit ihr bisher geführte 12jährige Ehestand gereichte mir stets zum himmlichsten Vergnügen, und umsomehr, da sie mehr als eine wahre Mutter mit Liebe und Treue meinen Kindern und sämmtlichen Enkeln zugethan ist.“

1820 schrieb Johann Eimann sein Buch „Der deutsche Kolonist oder die deutsche Ansiedlung unter Kaiser Josef  dem Zweyten in den Jahren 1783 bis 1787, absonderlich im Königreich Ungarn in dem Bacser Comitat. Das Werk wurde 1822 in dem deutschen Verlag von Johann Thomas von Trattner in Pest gedruckt und über den Buchbinder Paul Gottlieb in Apatin vertrieben. Darin liefert der Verfasser zunächst eine Beschreibung der geographischen Lage, von der Erde und Europa über das damalige Römische Reich, die Deutschen Bundesstaaten, den Österreichischen Kaiserstaat, das Königreich Ungarn bis hin zum Bacser Comitat. Im zweiten Abschnitt behandelt er das Ansiedlungspatent Josefs II., die Anwerbung und Reise und Ansiedlung der Kolonisten. Er nennt z. B. all die „Begünstigungen“, die jede Ansiedlerfamilie erhielt, z. B. eine Kuh, 1 Bettsatt, 1 Strohsack, 1 Spinnrad etc. Bauern bekamen zusätzlich vier Pferde und vieles mehr. Wir erfahren, detailliert aufgeschlüsselt, was ein Kolonistenhaus gekostet hat, nämlich 200 Gulden. Eimanns Buch ist ein wichtiges Quellenwerk für die Geschichte der deutschen Siedlungen in der Batschka.

1827 setzte sich Johann Eimann, inzwischen 63 Jahre alt, zur Ruhe und zog sich zu seiner Familie zurück, „nachdem“ – wie er schrieb – „ich meinen Leib und Seele mit Zuziehung eines silbergrauen Haares beinahe durch 40 Jahre dem Orte Neusiwatz aufgeopfert habe.“

Seine pfälzische Heimat hat Eimann nie aus den Augen verloren. Ein einziges Mal, im Jahre 1798, hatte er sie noch einmal besucht. Er blieb aber in brieflichem Kontakt mit einigen Verwandten und Freunden. 1832 schrieb er seinem Vetter Johannes Geib: „Ob es mir schon sehr gut gegangen und mir an nichts fehlet, so zähle ich doch die Tage, die ich bei meinen lieben Eltern und so vielen lieben Kameraden in Duchroth erlebte, unter die glücklichsten meines Lebens. Ja, ich sage es gerade heraus: wann ich mit meiner Familie in Duchroth das besitzen könnte, was ich hier besitze, ich würde keinen Augenblick anstehen, dahin zurück zu ziehen. So ein hartes Duchrother Herz habe ich.“

Im gleichen Jahr, als er dies schrieb, starb Johann Eimanns Sohn Karl im Alter von 34 Jahren und hinterließ neben seiner Frau sechs kleine Kinder, denen er – wie er selbst schrieb – seine „großväterliche Fürsorge“ angedeihen ließ. 1841 schrieb er seinem Neffen Christian Eicher nach Wendelsheim: „Ich schreite Gott sei Dank noch festen und geraden Schritts einher, befinde mich stark und gesund und noch sehr kräftig. Meine Hände zittern noch nicht, das sieht man an der Schrift – wozu ich kaum eine Brille nötig habe. .. Sehet an mir, man muß brav und ehrlich auf der Welt leben, nicht zu toll und nicht zu grimmässig. Neusiwatz besteht aus 300 Häusern und ich bin von allen Stammvätern noch allein am Leben und halte die Fahnen über das Kaisers Josefsche Gut.“

Der Pionier der deutschen Siedlungen in der Batschka, Johann  Eimann, starb am 30. September 1847 im Alter von 83 Jahren in Neusiwatz. Johann Eimanns Andenken wird noch heute durch die seit 1962 jährlich verliehene Johann Eimann-Plakette gewahrt. Sie wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die donaudeutsche Geschichte große Verdienst erworben haben. Eimanns Buch „Der Deutsche Kolonist“ wurde im vergangenen Jahr von der Donaudeutschen Landsmannschaft neu herausgegeben, nachdem die Auflage von 1964 schon lange vergriffen war. Es kann beim Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde zum Preis von 15 Euro erworben werden.

Roland Paul